Heute startet Defensor Pacis mit einem Gastbeitrag, der gleichzeitig der 20ste Beitrag ist. Die Autorin ist eine junge Frau, die lange in Berlin gelebt hat und langsam von dieser Stadt die Nase voll hat. Ein paar sehr ehrliche Worte. Vielen Dank!

Adieu Berlin

Du erdrückst mich. Ich kann dich nicht mehr sehen. Du bist wie eine Hure, die viel zu oft durchgefickt wurde. Du bist nicht mal mehr originell in der Auswahl deiner Freier.

Früher ja, früher, da warst du noch wild und geheimnisvoll. Schön warst du nie. Doch mitten in deinen brachliegenden Betonröcke, deinen verborgenen, ausschweifenden Festen, war meine Heimat.

Dich zu spüren. Deinen Puls. Deine Rauheit unter eiskaltem Schnee und ständigem Wind. Deine Melancholie, der nur Idioten sich entziehen konnten. Aber auch deine unendliche Sanftheit, wenn, geschunden von einer allzu langen Nacht, die Sonne auf deine alte Kochen schien.

Oft wollte ich von dir weg. Immer hast du mich zurückgehalten. Mir Zeichen gegeben. Nein, geh noch nicht, bleib noch ein wenig bei mir …

Nun kommen keine Zeichen mehr von dir.

Vielleicht hast du keine Zeit mehr. Schließlich musst du Wochenende für Wochenende deine Beine breit machen für drogenhungrige, leere Ficker. Unter der Woche bist du auch ausgebucht. Die Kreativen mit ihren Mützen und ihren langen Bärte, die mageren schönen Mädchen. Alle wollen sie ein Teil von dir werden. Mit dir, bei dröhnenden Bässen und weißen Lines das goldene verschrottete Kalb feiern.

Sie kommen alle zu dir um vor ihrer eigenen Leere zu fliehen. Sie denken, du kannst sie ausfüllen, ihnen einen Sinn geben. Unangepasst, cool, kreativ, Musik, Mode, Design, was mit Medien, links, rechts, von hinten, grün, rot.

Ich ertrage sie nicht mehr, diese Parasiten die an dir nagen. Schon von weitem kann ich sie erkennen. An den gebückten Gang, den immer gleichen Kleidern, den leeren Blick. Diese Hipsterratten verfüttern dich, suhlen sich in dir.

Meine Liebe, meine Schöne. Es ist nicht deine Schuld. Du wurdest verkauft. Und doch bin ich zornig auf dich, weil du dich nicht gewehrt hast. Du hast es ihnen zu einfach gemacht, in deinen Bauch einzudringen.

Als ich zu dir kam, warst du noch hart. Man musste dich verdienen. Ich habe dich anfangs gehasst. Du warst so hässlich und böse. Langsam habe ich dich lieben gelernt mit deinen Narben und deinem Gestank. Du hast dich nach und nach geöffnet, mir deine Male gezeigt.

Nun fühle ich mich betrogen. Nein, mehr als das. Ich muss ja schließlich zusehen, wie dich diese Gutmenschen alle packen, umdrehen, vergewaltigen. Ich will mich aus Liebe zu dir nicht anpassen. Ich kann es nicht.

Jetzt verschanze ich mich in den Paar arschlochfreien Zonen, die du noch hast. Es sind nicht viele. Hier können wir noch ein wenig zusammen sein. Aber es reicht nicht.

Diesen einen Sommer gebe ich dir noch. Es ist ein verzweifeltes Ultimatum, das ich dir stelle.

Vielleicht kommst du zu Vernunft. Vielleicht siehst du was für eine oberflächliche uninteressante Drogennutte sie aus dir gemacht haben. Ich will dich immer noch. Und ich bleibe bei dir, wenn du es willst.

Bitte Berlin, wach auf …

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1 Kommentar »

  1. Großer Gott,ist das nun die lesenswerte Sprache unserer junge Journalisten?
    Und die wundern sich,daß man ihre Artikel nicht mehr lesen will!

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