Nach den Snowden-Enthüllungen im letzten Jahr gingen viele empörte Bürger in Deutschland auf die Straße und taten auf den „Stop-Wachting-Us-„Demos ihre Meinung kund. Doch in den sozialen Medien wurde es zunehmst ruhiger.

Die Schweigespirale ist ein Begriff aus der Kommunikationswissenschaft. Wikipedia umschreibt diese als ein Teil der in den 1970er-Jahren von Elisabeth Noelle-Neumann formulierten Theorie der öffentlichen Meinung. Demnach hängt die Bereitschaft vieler Menschen, sich öffentlich zu ihrer Meinung zu bekennen, von der wahrgenommenen Mehrheitsmeinung ab.

Widerspricht die eigene Meinung der der Mehrheit, gibt es Hemmungen, sie zu äußern, und zwar umso stärker, je ausgeprägter der Gegensatz wird. Daher der Begriff der Spirale.

Die Massenmedien, vor allem das Fernsehen, können erheblichen Einfluss auf die Rezipienten und damit auf die öffentliche Meinung ausüben. Damit steht die Schweigespirale für eine erneute Hinwendung der Medienwirkungsforschung zur vierten Gewalt, einer Hypothese der „mächtigen Medien“.

Kurzum: Wer eine Meinung vertritt die dem Mainstream-Klientel missfällt, der schweigt eher. Dieses Verhalten ist nun wie die Theorie nicht auf die sozialen Medien gemünzt, sondern sie findet man vor allem im realen wieder.

Eine eher unliebsame politische Position gibt jemand im realen Leben eher nicht preis, weil er sich vor der sozialen Isolation fürchtet. Deswegen spricht er diese Position nicht an oder gibt eine konsensorientierte Position vor.

Überträgt man dieses Beispiel auf die sozialen Medien, dann soll die Schweigespirale zumindest was die Snowden-Enthüllungen und die NSA betrifft in den USA Realität sein.

Das Washingtoner Pew-Research-Internet-Projekt  untersuchte die sozialen Medien den Vereinigten Staaten. Das Institut, welches besonders im Daten-Journalismus einen besonderen Schwerpunkt hat, ist eine Fact Tank, also ein Gegenpol zu den Think Tanks, und möchte den Dingen in den verschlungenen Tiefen des Internets auf den Grund gehen.

Das Ergebnis: Zwar wollten 84 Prozent über das Thema im realen Leben diskutieren, allerdings nur 17 % dies auch in den sozialen Medien tun. Der Komplette Report ist auf der Internetseite des Forschungscenters abrufbar. Dies bekräftigt auch die Vermutung, dass die gängigen sozialen Netzwerke, also Facebook oder Twitter, keine große Plattform für politische Diskussionen liefern, obwohl viele diese sozialen Medien als Info-Quellen verwenden.

Das Institut veröffentliche auch eine Umfrage graphisch ausgewertet, mit wem die befragte Person über das Thema überwachung am liebsten Sprechen möchte.umfragepew

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Twitter-Accounts, die von sich aus nur Nachrichtenportale, Journalisten, Blogger und andere Informationsverteiler folgen.

Das Problem dabei ist allerdings, dass wenn die Schweigespirale greifen würde, es – auf das Thema NSA bezogen – über die eher unpopulären Themen weniger gepostet, retweetet oder ge-schared wird.

Übrigens: Mit Paper.li kann man sich seine eigene Zeitung aggregieren. Die Defensor Pacis Zeitung ist inzwischen auf Paper.li online und wird täglich aktualisiert.

Ob und wie viele NSA-Geschichten jemand bekommt, wäre in Deutschland, wenn man jetzt auch mal die Zahlen aus den Vereinigten Staaten unterstellt, davon abhängig, wie viele Personen er in seinen Listen hat, auf die die sogenannte Schweigespirale nicht zutrifft. Das können nun „mutige“ User sein oder einfach politisch inkorrekte, die immer dagegensteuern.

Ob und inwieweit diese Aussage auch auf andere kontroverse Themen zu münzen ist, kann nicht festgestellt werden, da vor allem die NSA-Affäre auch für Angst in der Bevölkerung gesorgt hat, seine Meinung besser nicht im Internet zu verbreiten. Widersprüchlich ist hier die Meinung der Leitmedien zu dem Fakt, dass soziale Medien den „arabischen Frühling“ im Norden Afrikas ausgelöst hat. Vor allem, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass dort die sozialen Medien nicht so stark ausgesprägt sind wie in den westlichen Industrieländern.

Auch zu dem Thema „entfreunden“ fand man heraus, dass diese oftmals im Zusammenhang mit politisch kontroversen Postings stehen und auch viele sich „entfreunden“, wenn man sich in der Kommentarleiste darüber streitet. Auch gaben viele an, dass Facebook-Freunde oftmals in privaten Nachrichten auf das Post-Verhalten Einfluss zu nehmen.

Fest steht: Die Schweige-Spirale vermag oftmals zutreffen und ob nun Facebook, Twitter und Co. in Deutschland nachhaltig eine breite Bühne für politische Diskussionen bilden wird, muss sich erst zeigen.

Allerdings ist sicher, dass das Facebook-Verhalten insgesamt nachgelassen hat. Es wird auch weniger „ge-liked“ oder kommentiert und einige haben nach der NSA-Affaire sich auch komplett aus den sozialen Netzwerken verabschiedet. Dabei spielte allerdings die politische Einstellung nicht immer eine Rolle.

Die Angst vor Isolation in der realen Welt kann es auch nicht sein. Umgekehrt trifft dies aber auf die Schweigespirale zu, denn der Mensch hat von Natur aus Angst vor sozialer Isolation, die er dann befürchtet, wenn er sich mit kontroversen Themen in sozialen Medien befasst.

Den komplette Bericht vom Pew Research Internet Projekt kann man hier abrufen.

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