RT Deutsch ist auf Sendung. Viele waren vom internationalen Auftritt auch in Deutschland begeistert. Nun ist RT Deutsch mit Webseite und You-Tube-Channel auf Sendung. Vom Hocker haut RT Deutsch bei aller Liebe zu Russland allerdings nicht.

Wer RT-Kritik lesen möchte, findet diese überwiegend in den etablierten Medien. Allerdings wurde RT-Deutsch mit der Propaganda-Keule gleich begrüßt, so dass sie schon kritisiert wurden, obwohl noch kein Video erschien und kein Artikel wirklich online kam. Aber sowas kennt man ja von den Leitmedien. Konkurrenz muss gleich diskreditiert werden und statt auf die eigenen Fehler zu schauen, schaut man gerne auf die Fehler anderer.

Die Tatsache, dass ein Sender, der vom Kreml bezahlt wird, sich nun nicht in die verlogene Russland-Hetze einreiht ist selbstverständlich. Und stumpfe Propaganda kann man denen nicht nachsagen. Ihr Anspruch ist es den „fehlenden Part“ , also eine Informationslücke, in der Deutschen Medienlandschaft zu füllen. Dass Spiegel und Co. lügen wie gedruckt ist kein Novum des letzten Jahres. Die haben schon vor langer Zeit angefangen rumzulügen. Eine Medienlüge kann man RT Deutsch nun wirklich nicht anlasten. Zumindest täuscht man nicht offenkundig über Tatsachen. Zudem wurde auch das ein oder andere Interview ausgestrahlt, welches sehr interessant ist und was man nicht nach zwei Minuten abschalten musste. Aber dennoch ist es für mich nicht erträglich, die Sendung jeden Tag anzuschauen. Nach drei Sendungen ist das Interesse geschwunden.

Die politische Ausrichtung ist überwiegend links und bewegt sich zwischen junge Welt und neues Deutschland, also dem Sprachrohr des linken Spektrums. Ein wenig Kompensation bringen ein paar wenig freieschaffende Medienleute wie Ken Jebsen oder freie Reporter, die sich gerade im Ausland befinden und nicht einem Spektrum eindeutig zuzurechnen sind.

Aber gerade die eindeutige Zuordnung von Gästen, Mitarbeitern und sonstigen Partnern ist gerade das , was man dem Mainstream auch ankreiden kann. Normalerweise sollte ein Journalist in keiner Partei sein und auch keinem größeren Verein angehören. All dies hat die Glaubwürdigkeit nachhaltig zerstört. Während früher in Bonn oftmals eine kritische und vorsichtige Distanz zwischen Journalisten und Politikern gewahrt wurde, so verkünden Journalisten heute Stolz in sozialen Medien, dass sie gerade mit Poltiker XY auf einer Party waren und das noch mit einem „Selfie“ unter Beweis stellt, führt eher zur Sorge als zur Begeisterung.

Ein Journalist muss nicht der Liebling der Nation sein, schon gar nicht der Liebling der Politiker. Ein weiterer Eindruck, der aber bei allen Medien, ob alternativ oder Mainstream,  der inzwischen nicht mehr entkräftbar ist, das ist die Berlin-Lastigkeit. Fast alles wird in der Hauptstadt produziert.

Man hat den Eindruck, dass es fast allen egal ist, was in Hamburg, Köln, Frankfurt, München, Wien oder Luxemburg passiert. Auch in diesen Städten wird Politik gemacht und Entscheidungen werden getroffen.

In Bonn war das keineswegs der Fall. Damals konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Berichterstattung verteilter vollzog. Heute denkt man Berlin sei der Nabel der Welt. Bei aller Kritik ist aber auch Kritik an der Kritik zu verüben. Normalerweise sollte Kritik einen Ansporn geben, es in Zukunft besser zu machen. Aber die mediale Kritik in den Leitmedien grenzt an Verleumdung. Wie bei allen unliebsamen Medien kommt man gerne mit dem unverzichtbaren Vorwurf der Verschwörungstheorie.

Der Vorwurf Verschwörungstheorien zu verbreiten, stimmt auch keineswegs. Der Begriff ist inzwischen so plump geworden, dass man ihn freilich ignorieren kann. Alternative Wahrheitsdeutung wäre da manchmal passender. Aber das Gefühl , dass man nach dem Seitenbesuch von RT Deutsch oder der Sendung „Der fehlende Part“ besser informiert ist, tritt selten bis gar nicht auf. Ausnahme ist alleine die „Klo-Affaire“ von Gregor Gysi, welche man aber mehr den Journalisten Max Blumenthal und Martin Lejeune zu verdanken hat. Aber das bildet leider die seltene Ausnahme und ist deswegen mehr Anfängerglück. Die eigentliche Überraschung ist allerdings die Agentur Rutply. Die Nachrichtenagentur ist wirklich ein Mehrwert und die Videos und Übertragungen haben einen echten Mehrwert. Leider ist die Agentur nicht so oft bekannt, obwohl sie weltweit und schon seit längerer Zeit operiert. Allerdings muss man auch die Entwicklung weiter abwarten.

Das Programm steckt noch in den Kinderschuhen und vielleicht wird RT Deutsch in naher Zukunft sich verbessern. Dem ist noch das vergleichsweise minimalistische Budget zu Gute zu halten. Während man glauben soll, dass man ca. 300 Mio Euro weltweit im Kreml für das Auslandsfernsehen hinblättert und der Deutsche keine Gebühren zahlen muss, während man für das Gewichse der GEZ-Anstalten 7 Milliarden Euro ausgibt, dann muss man sich fast für die Kritik hier schämen. Geschenkter Gaul und so.

Wie man es besser machen kann, scheint die Online-Zeitung Blaue Narzisse zu wissen. Diese haben sich auch RT-Deutsch etwas näher angeschaut und kommen auch zu dem Ergebnis, dass es ein wenig linkslastig ist und bemängeln die mangelnde Professionalität. Allerdings muss man sich auch noch heute die Frage stellen, was eigentlich im Journalismus als „professionell“ gilt. Ebenfalls bemängelt das Magazin, dass zu viele unbekannte Blogger in die Sendung eingeladen werden.

Dem ist aber entgegenzuhalten, dass Unbekanntheit nicht mit Inkompetenz gleichzusetzen ist. Lieber hört man einem Experten zu, der die Öffentlichkeit scheut als einem verlogenen Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, der mehr Interesse hat am rechten Rand Wähler zu generieren als an der Wahrhaftigkeit seiner Aussagen.

Im Informationskrieg rund um den Ukraine-Konflikt gibt es beispielsweise auch Informationsportale wie „Südfront“ und „News-Front“, die auf freiwillger Basis ein beachtliches Anbot an Interviews, Bilder und Videos liefern, die man eigentlich von RT erwarten könnte. Hier zeigt sich vor allem, dass ein geringes Budget keine Ausrede sein kann.

Und: Je minimalistischer etwas ausgestaltet ist, umso glaubhafter ist es inzwischen. Audiovisueller Schnick-Schnack sind oftmals ein Hinweis, dass man Inhalte lediglich aufwerten möchte. Was nützt einem ein hochmodernes Medienportal wie es bei ARD der Fall ist, wenn am Ende nur blödes Zeug verbreitet wird.

Dann kann man sein Gehirn auch verschonen. Ebenso grenzt es langsam auch an Energieverschwendung, wenn man seine Zeit damit verbringt die Inhalte zwischen RT und ARD zu vergleichen. Stattdessen sollte man beide Portale gleich behandeln und sie künftig ignorieren und sich besser mit den Rohquellen befassen. Amerika oder Russland kritisieren kann jeder. Allerdings trennt sich bei der Argumentation auf Faktenbasis die Spreu vom Weizen. Plump und ignorant sind beide.

Man kann diesen Artikel als Anreiz nehmen und sich jenseits der Portale Gedanken machen, wie man die Medienwelt besser gestalten kann. Denn sowohl auf das Deutsche als auch auf das russische Portal kann man getrost verzichten.

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