WikiLeaks hat in den letzten Wochen mehrfach brisantes Informationsmaterial auf ihrem Server der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Informationen sind ein großer Haufen an Datenmaterial, bei dem man fast nicht mehr nachkommt diesen auszuwerten. Allerdings wurden bereits Dinge ausgewertet und WikiLeaks erhält Morddrohungen sowie juristische Konsequenzen. Anknüpfungspunkte und Bestandsaufnahmen. Hier sollen einige wichtige Dinge aufgezeigt werden.

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Erst die zig Daten von Sony, dann viele Akten vom parlamentarischen Untersuchungsausschuss über die US-Spionage-Affaire bis hin zu den Sicherheitslücken des Trident-II-Raketensystems. Es ist eine Menge an hochbrisantem und gleichzeitig auch gefährlichen Material auf die Whistleblower-Plattform WikiLeaks geraten. Wie man in so kurzer Zeit an solche Informationen kommt wäre schon sehr gefährliches Wissen.

Aber nun sind die Daten nun mal öffentlich zugänglich und man kann darüber schreiben oder einfach schweigen. Auf jeden Fall schreibt auch der Mainstream über die eine oder andere Publikation, die WikiLeaks auf ihrem Server neu verkündet.

Bemerkenswert ist hin und wieder die Art und Weise der Berichterstattung. Deutschlands Bildungsbürger-Bravo „Der Spiegel“ titulierte die Veröffentlichung der Sony-Files beispielsweise als „gestohlenes Material“, was möglicherweise für ein reißerisches Wochenblatt auch vertretbar erscheint, aber auch so nicht stimmen muss.

 

 

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass jeder Whistleblower, welcher der Whistleblowerplattform brisantes Material zuspielt, mit sowohl schweren zivil- als auch strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss. Ohne nun in die fachliche Tiefe der Materie zu gehen lässt sich aber auch feststellen, dass die Behandlung von Whistleblowern rechtlich nicht gänzlich unumstritten ist.

Es kommt jedenfalls oftmals darauf an, um was es sich genau handelt. Whistleblower Chelsea Manning soll nach geltendem US-Recht nun 35 Jahre dafür büßen, und wurde laut dem CIA-Folterbericht noch im Irak derart gefoltert, dass man sich echt nicht wundern muss, warum er (nun sie) sich in seinem alten Körper nicht mehr wohlgefühlt hat.

Selbst wenn es strafrechtlich mal ohne Konsequenzen bleibt, so gibt es für viele Geheimnisträger, die nachher ihr Geheimnis aus den unterschiedlichsten Gründen der Öffentlichkeit zugänglich machen, immer noch zivilrechtliche Vereinbarungen, deren Übertretung mit saftigen Strafen verhängt werden soll.

Sind diese Dinge nun auf den Server gelandet, und der Blogger, Cyber-Journalist oder der Spiegel-Mann vernimmt dies, so darf er über diesen Vorgang auch berichten. Schließlich handelt es sich um eine Beobachtung, Wahrnehmung und Feststellung, welche in Echtzeit im Internet vernommen werden kann.

Die Veröffentlichung der Liste von Drohnenpiloten auf dem ICWatch löste allerdings bedenken aus, die überraschenderweise der Wiener Der Standard entkräftete. Hierbei handelte es sich um eine Zusammenfassung von bereits öffentlich vorhandenen Profilen, die auf LinkedIn von den Personen selbst hergestellt wurden, obwohl sie von ihren Vorgesetzten davor gewarnt wurden.

Allerdings schien die Effekthascherei der Profilersteller zu groß, denn schließlich scheint man ja in manchen Kreisen ein ganz toller Typ zu sein.

Die Bedenken stützten sich dahingehend auf den Einwand, dass diese Informationen gerade den sogenannten Terroristen taktisch wichtiges Informationsmaterial liefern würden.

Dagegen kann man aber auch halten – so wie es Der Standard schön beschreibt –, dass gerade solche Datenaufbereitungen Journalisten sich ein besseres Bild über die Strukturen von Geheimdiensten und Streitkräften machen sollen.

Insoweit sind solche Informationen stets als zweischneidiges Schwert zu betrachten. Genauso lässt sich argumentieren, dass die Veröffentlichung von Collateral Murder im Jahre 2010 den gegnerischen Staaten einen Nutzen liefern sollen. Dennoch ließen sich Spiegel, Guardian, El Pais und die New York Times sich nicht lumpen und haben zeitgleich über den Mord an Zivilisten aus einem Apache-Hubschrauber der US-Streitkräfte berichtet.

Bemerkenswert ist auch der Umgang mit dem Whistleblower McNelly in Sachen Trident. Der Spiegel berichtete über diese Lücken unter Berufung auf einem Dokument, welches auf Scibd.com veröffentlicht wurden, obwohl WikiLeaks genau diese Informationen auf der WikiLeaks-Plattform zugänglich waren, wo man immerhin noch einen nachvollziehbaren Anhalt hat, dass dort zumeist hochbrisante Informationen veröffentlicht wurden, und die Redakteure dort stets eine ethische und juristische Abwägung machen.

Auf Scribd.com dagegen kann nahezu Jedermann alles posten – ohne Redigierung und Abwägung. Der Spiegel-Artikel wurde auch dahingehend redigiert, dass auch nun die Verlinkung zum Scrid.com-Dokument nicht mehr da ist. Immerhin: Das Nuklear-Programm wird nun im britischen Parlament diskutiert.

WikiLeaks hingegen ist anscheinend Morddrohungen ausgesetzt, nachdem in letzter Zeit so viel Material auf dem Server gelandet ist, was auch nicht ganz unschädlich für gewisse Staaten, Konzerne und Einzelinteressen ist, die gerade solche Informationen der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen will. Wieso haben Staaten sonst Terroristenakte, Geheimdienste und Kopfgeldjäger.

Mit Staaten kann man gerade die Vereinigten Staaten von Amerika meinen – dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Die Morddrohungen hat WikiLeaks im Übrigen sogar auf ihrer Seite veröffentlicht, wie man auf diesem Tweet in englischer Sprache erkennen kann.

Konkret geht es hier um die beim „Standard“ veröffentlichte Meldung im Hinblick auf die Profile von Drohnenpiloten, welche auf LinkedIn erstellt wurden. Diese kann man auf ICWATCH einsehen. Man sieht vor allem Typen, die neben ihrer Anstellung mit ihren sogenannten Skills prahlen. Skills im Sinne von Fähigkeiten. Auf den ersten Blick scheinen das alles Kamikaze-Hacker sein, die in Computerlinguistik die krassesten Asse sind und nahezu jede imperative Programmiersprache – ob nun Java oder die Maschinensprache Assembler – im Schlaf sprechen können.

Eine prädikative Programmiersprache war bisher (noch) nicht gesichtet worden. Eine prädikative Programmiersprache ist beispielsweise Prolog. Aber auch sogenannte Soft-Skills wie „teamfähig“ oder „Team-Builder“ (Gruppen-Bauer) werden gerne genannt. Schließlich arbeitet man ja auch nicht für irgendwen, sondern für die Vereinigten Staaten von Amerika, an deren Flagge das Schönste immer noch die rot-weiss-roten Streifen sind. Punkt.

Die Jagd auf WikiLeaks und deren Unterstützer schein im vollen Laufe zu sein. Der WikiLeaks-bezogene Blog „ThisDayInWikiLeaks“ spricht davon, dass mehr als 2.400 WikiLeaks-affine Seiten inzwischen gesperrt wurden bzw. durch Trolle und Cyber-Krieger der breiten Öffentlichkeit den Zugang zu solchen Seiten, so schwer wie möglich zu machen. Auf diesem Blog werden im Übrigen auch die nach der Meinung von WikiLeaks wichtigsten und relevantesten Meldungen aus aller Herren Länder verlinkt.

Der Trident-Whistleblower, der einen 16-seitigen Bericht über die Sicherheitslücken im Raketenprogramm die Öffentlichkeit vor einer Nuklearen-Katastrophe – das Contra Magazin berichtete – warnte, befindet sich inzwischen in militärpolizeilichem Gewahrsam. Die WikiLeaks-nahe Stiftung Courage Found hat inzwischen zu Spenden aufgerufen, um die Verteidigungskosten für den mutigen Mann zu sammeln. Immerhin war es – wenn man seinen Worten Glauben schenkt – nicht seine Absicht seinem Land zu schaden, sondern auf ein Problem aufmerksam zu machen, das vor allem die Politiker seines Landes etwas angeht, die seiner Einschätzung nach gar nicht wissen, was sie manchmal so in ihrem Oberhaus-Unterhaus-Parlament so bewilligen und verabschieden.

Jedenfalls scheinen die WikiLeaks-Dokumente inzwischen für eine Menge Wirbel zu sorgen. Inzwischen sollen sogar in Deutschland laut WikiLeaks strafrechtliche Ermittlungen gegen WikiLeaks gestartet worden sein, da hier strafrechtlich geschützte Materialen veröffentlicht wurden, die gewöhnlich unter der Rubrik „Verschlussache – Nur für den Dienstgebrauch“ der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht worden sind.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass Journalisten, Bloggern und sonstigen Infokriegern, das Leben nicht unbedingt leicht gemacht wird. Weiters soll der Staat sowohl rechtswidrig als auch im juristischen Grauzonen-Bereich nur wenige Mittel ausgelassen haben, um die Arbeit dieser Menschen zu erschweren.

Festzuhalten bleibt, dass sich weltweit die Ereignisse derart überschlagen, dass es nun sehr schwierig ist, diese ganzen Daten auf dem WikiLeaks-Server aufzubereiten. Alleine das Beispiel von McNeilly zeigt schon, dass auch mit Vorsicht zu arbeiten ist, da neben den vielen Drohungen auch die Möglichkeit besteht, dass regierungstreue Trittbrettfahrer mit gemischter Wahrheit versuchen etwaige Publikationen und Fakten auf dem WikiLeaks-Server so glaubhaft wie möglich abzustreiten. Schon deswegen lohnt es sich die Geschehnisse mit Geduld und Besonnenheit auszuwerten. Für die reißerischen Nachrichten ist ja ein gewisses Boulevard-Blatt aus Berlin eher bekannt. Dort steht allerdings auch die Meinungsbildung nicht jedoch die Faktenabbildung im Vordergrund.

Am Ende sei noch auf eine Trittbrettfahrer-Seite hingewiesen, die sich WikiLeaks-Forum nennt. Betrieben wird diese Seite von einem Mark Goeder-Tarant. Es handelt sich hierbei – laut WikiLeaks und der Dokumenten-Suchmaschine Cabledrum – um eine Betrugsseite, welche nach deren Vermutung vom FBI oder anderen US-Diensten gesteuert bzw. gefördert wird. Mehr Informationen hierzu befinden sich auf dem Tweet.

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