Historiker, Journalisten und weitere Infokrieger haben Material zum recherchieren und investigieren bekommen. In Russland existiert ein Projekt, welches Dokumente aus Deutschland – salopp auch „Trophäendokumente“ – digitalisiert aufbereitet und somit elektronisch der breiten Masse öffentlich zugänglich machen möchte. Eine kurze Vorstellung.

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Vorab – hier handelt es sich nicht um die allerneuste Vorstellung, wie man es hier und da vernommen haben soll, sondern es ist ein lang geplantes Projekt, welches immer mehr Dokumente zur Verfügung stellt. Die erwähnten „Trophäendokumente“ sind Urkunden und weitere Niederschriften, welche die sowjetischen Streitkräfte nach ihrem Sieg über Nazi-Deutschland beschlagnahmt haben. Aber Russland wollte diese Dokumente – wie man nun sehen kann“ – nicht auf Ewigkeiten vorenthalten. 70 Jahre nach Kriegsende wurden sämtliche solcher Dokumente freigegeben und sind nun nicht mehr zensiert.

Ein deutsch-russisches Projekt

Immer wieder tauchen in sozialen Medien oder auf alternative Seiten neue Fakten über den zweiten Weltkrieg auf. Oftmals ist man sich nicht sicher wie sehr man auf diese Seiten vertrauen kann. Nun aber wird hier eine Internet-Seite vorgestellt, die Dokumente aufbereitet, welche als Beutedokumente lange verborgen blieben. Verantwortlich für diese Seite sind zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, die für das Deutsche Historische Institut in Moskau tätig sind: Dr. Sergey Kudryashov1 sowie Dr. Matthias Uhl2. Beide werden als Projektverantwortliche auf der Seite bezeichnet, welche hier abrufbar 3ist.

 Die umfangreichsten Sammlungen dieser sogenannten Trophäendokumente befinden sich in den verschiedenen Föderalen Archiven der Russischen Föderation (Staatsarchiv der Russischen Föderation – GARF, Russisches Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte – RGASPI, Staatliches Militärarchiv der Russischen Föderation – RGVA) sowie im Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation – CAMO Auf Initiative der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation wurde 2011 ein wissenschaftliches Projekt zur Digitalisierung der in Russland aufbewahrten deutschen Dokumente begonnen.“ , heißt es am Anfang dieser Homepage. Gleichzeitig räumt man weiters auf der Seite ein, dass es bis 2018 dauern wird, bis dieses Mammutprojekt endgültig abgeschlossen ist.

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Man kann nur erahnen, wie viel historischen oder auch journalistischen Mehrwert diese Dokumente haben werden. Dem Grunde nach macht es die Digitalisierung es sehr einfach, auf den unterschiedlichsten Punkten der Erdoberfläche diese Dokumente abzurufen und einzusehen. Denn oftmals ist es so, dass wichtige und brisante Dokumente zwar in Archiven der breiten Öffentlichkeit zwar theoretisch zugänglich gemacht werden können, aber es oftmals schon an den Reisekosten scheitert.

Insgesamt werden die digitalisierten Dokumente in drei Gruppen unterteilt. Die erste Sammlung wird als „Deutsche Beuteakten zum Zweiten Weltkrieg im Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der russischen Föderation“ bezeichnet – Signatur: Bestand 500.

Die zweite Rubrik der Beuteakten nennt sich „ Dokumentensammlung der Deutschen Geheimpolizeien und Nachrichtendienste 1912-19454“, welche sich im Russischen Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte befindet – Signatur Bestand 458 Findbuch 9

Die dritte und letzte Unterteilung nennt sich „Deutsche Beuteakten zum Ersten Weltkrieg im Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation – kurz CAMO.

Das wissenschaftliche Projekt ist auch politisch wichtig, da dort zwei Staaten involviert sind, die aus aktuellen Gründen – um es Gelinde auszudrücken – ihre Meinungsverschiedenheiten in verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Aspekten haben. Aber der Austausch in der Wissenschaft hat sich schon in Zeiten des „kalten Krieges“ als Brücken-Garant für die Verständigung zwischen Menschen der beider Lager bewährt und somit einen Beitrag zum Frieden geleistet.

Ein Werkzeug für Alle

Eine ausführliche Beschreibung, worum es in den Akten geht bzw. die bereits digital aufbereiteten Akten kann man direkt auf der Seite finden. Auf jeden Fall zeigt die umfassende digitale Sammlung, dass nicht nur Gold, Land und Bodenschätze sowie Truppenflaggen und Militärfahrzeuge eine stolze Kriegsbeute sein können, sondern auch historische Dokumente, die bei der aktuellen Geschichtsschreibung wohl ihre Beachtung und Berücksichtigung finden werden.

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Die Freigabe der Dokumente kann je nach Fakten-Lage auch die eine oder andere Dokumentation widerlegen, die – wenn man sie liest – nur darauf erpicht ist, dass man gegenüber dem Amerikaner oder Briten nur Feindseligkeiten verbreiten tut. Allerdings wird ein Bericht des Münchner Merkurs sowie

Wie man unschwer auf den ersten Blick erkennen kann, handelt es sich oftmals um militärisches und taktisches Material, welches von Deutschen Offizieren, Soldaten, Beamten und sonstigen Funktionären in der Vergangenheit niedergeschrieben worden sind. Die jeweiligen Bilder auf dem Artikel wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und haben nur den Zweck der Veranschaulichung der Dokumente, die jeder einzelne selbst ergründen soll und daraus seine Schlüsse selbstständig ziehen kann. Bei näheren Fragen ist es möglich die Verantwortlichen des Digitalen Archivs via Email zu kontaktieren. Die Kontaktadressen der Verantwortlichen sind hier5 abrufbar.

Prädikat: „sehr lesenswert“

Man kann in dieser Form der öffentlichen Aufklärung seitens der Russischen Föderation ein Zeichen der Aussöhnung sehen. Während besonders die westlichen Siegermächte mit dem gefährlicher Mixtur aus Wahrheit und Halbwahrheit immer wieder den Versuch starten wollen Menschen gegeneinander aufzuhetzen, punktet hier die Russische Föderation mit der Aufarbeitung von Fakten.

Wer nun nicht allzu lese-faul ist, der kann nun seinen Horizont auf Fakten basierende Geschichte erweitern und kann damit ein Korrektiv gegen seine eigene westliche Umerziehung zusammentragen. Archive sind halt auch da, dass man in diesen stöbert und durch neugieriges Lesen neue Erkenntnisse gewinnt. Man kann es für sich oder auch für andere tun. Die Dinge sind für jedermann gedacht und auch in englischer Sprache verfügbar.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dies nicht der letzte Artikel auf Contra-Magazin werden. Jedenfalls stößt dieses Archiv – auf kurze Nachfrage von Contra – bei Kollegen aus aller Welt auf eine sehr positive Resonanz. Sicherlich werden auch andere Portale nach Auswertung der Dokumente den einen oder anderen Beitrag wieder finden, der einen neuen Erkenntniswert liefern wird. Jedenfalls ist es sehr lesenswert.

Der Beitrag erschien zuvor mit Fotos auf dem Wiener Contra-Magazin.

Quellen:

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