Was wäre wenn Böhmermann Netanyahu verhöhnte?

Aktuell wird heftig über die Causa Böhmemann,  das ZDF und Erdogan diskutiert. Viele sehen aufgrund der Satire die Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr. Doch ist sie das wirklich? Mal angenommen, Böhmermann hät ähnliches über den israelischen Premierminister oder einen anderen hochrangigen israelischen Politiker abgelassen und das ZDF hätte das Gedicht vom Netz genommen und seinen Vertrag gekündigt.

Man kann sich fast sicher sein, dass sich die prominente Unterstützung für Böhmermann mehr in Grenzen halten würde. Auf einmal würde man um die innere Pressefreheit des ZDF plädoyieren und kämpfen. Satiriker Böhmerman hätte in den alternativen Medien allerdings mehr Solidarität gefunden. Es geht hier aber auch nicht darum jetzt Israel oder Netanyahu anzugreifen, sondern einfach nur die Doppelstandards aufzuzeigen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz wohl existieren. Man könnte auch das Beispiel USA oder Frankreich nehmen. Und: Man kann sich sicher sein, dass Netanyahu souverän genug wäre, keine Strafanzeige zu stellen. Die Empörung wäre sowieso vom Zentralrat bis zur Springer-Presse groß gewesen und über Böhmermann würde man sicher anders sprechen.

Auf einmal wäre Satire keine Pressefreiheit mehr und man würde sich darüber auslassen wie verletzend Satire sein kann und gerade nicht jede Meinung eine Meinung sein darf. Und man würde viel schneller den Tatbestand der Beleidigung bis hin zur Volksverhetzung in so einem Schmähgedicht erblicken können. Aber nur mal so am Rande: Es geht auch nicht darum die Politik von Erdogan zu verteidigen oder in der aktuellen türkischen Politik das Gute zu sehen. Im Gegenteil: Die aktuelle Politik der Türkei ist sehr wohl kritikwürdig und die Medien haben relativ spät die Problematik in der aktuellen Außenpolitik der Türkei gesehen. Aber darum geht es ja auch den Wächtern der Meinungsfreiheit hier nicht. Es geht ihnen wohl auch nicht darum, dass man nun den Ton gegenüber der Türkei verschärfen soll. Nein, es geht weiter darum den armen Satiriker zu bemitleiden und die Pressefreiheit in Deutschland als verloren zu betrachten.

Möglicherweise ist die Meinungs- und Pressefreiheit auch verloren. Und deswegen nochmal der Hinweis: Das Beispiel Netanyahu ist hier nur ein Beispiel für viele, die man hier nennen könnte, um die herrschenden Doppelstandards aufzuzeigen, die in der linksverseuchten Medienwelt herrschen. Warum hier viele von Zensur sprechen ist auch unverständlich, denn nicht erst seit heute wird die innere Pressefreiheit einer Redaktion, die genauso schützenswert ist wie das Verbot einer bestimmten Meinung. Aber genau diese Aspekte lassen die vielen Solidaritätsbekundungen missen, denn es geht nur darum einen vermeintlich flippigen und hippen selbstdarstellerischen Mediendarsteller zu schützen, der sicher nicht beim ZDF angestellt ist, sondern mit seiner Produktionsfirma in Köln sein Geld für die tägliche Satire bekommen, die letzlich der Gebührenzahler zahlen muss. Im Zweifel trägt der Gebührenzahler auch die Kosten für den juristischen und diplomatischen Mehraufwand, der nun durch die aktuelle Nummer entsteht und bereits entstanden ist. Der Steuerzahler kommt für den Polizeischutz auf, der nun Böhmermann wegen seines Gedichtes zahlen soll.

Viel eher sollte man sich die Frage stellen, wieviel staatlich finanzierte Satire benötigt ein Sender wie ZDF oder ZDF neo, um seinem Informationsauftrag gerecht zu werden? Gibt es nicht bereits genug private Satiriker, die das Volk belustigen und es im Zweifel schwerer haben als Böhmermann, um über die Runden zu kommen. Auch diese Fragen sollten mal aufgegriffen werden, bevor man sich über mögliche Gesetze aufregt, die ein Satiriker verletzt hat. Aber wie gesagt, der „Was wäre wenn“-Fall ist ja nicht eingetreten und ein PR-Experte wie Böhmermann ist sich auch sicher bewusst gewesen, was für ein Echo eine solche angenommene Kritik nach sich ziehen würde.

 

 

 

 

 

 

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Kategorien:Allgemein

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