Zuerst auf E-Paper des Contra Magazins

Es wird viel berichtet über transatlantische Netzwerke wie die Atlantik-Brücke und ähnliche Vereine, wo sich Politiker, Journalisten, Ökonomen vernetzen, um den amerikanischen Einfluss in Europa aufrecht zu erhalten. Mit einigen Ausnahmen handelt es sich hierbei überwiegend um das konservative Klientel, die sich mehr oder weniger offen zum transatlantischen Bündnis bekennen. Aber es gibt auch die neue politische Linke, die weniger offen und eher als nützliche Idioten für die Transatlantiker Partei ergreifen. Manchmal gewinnt man hierbei den Eindruck, dass sie selbst nicht merken, wie sie eine mehr oder weniger gewollte gesteuerte Opposition darstellen, die im Westen gegen den Einfluss aus dem Osten kämpft. Dieses Phänomen begann während den Studentenunruhen Ende der 1960er Jahre, als Dutschke und Konsorten zuerst West-Berlin und dann die ganze Bundesrepublik unsicher machten. Beeinflusst wurde die 68er vor allem durch die Frankfurter Schule, ein Konsortium von westlichen Linken, die während der NS-Zeit ins amerikanische Exil gingen und in den späten 1960er Jahren wieder an Deutschen Hochschulen lehren durften. Die Protagonisten waren Theodor Adorno, Herbert Marcuse, Max Horkheimer sowie Jürgen Habermas die mit der „Kritischen Theorie“ die linken Intellektuellen des Landes beeinflussten. Es war der Beginn einer westlich-marxistischen Bewegung, die sozusagen mit den sowjetischen Intellektuellen konkurrierten und dafür sorgten, dass der Protest nicht von Moskau gesteuert wird.

Zwar beriefen sich einige Hardliner wie der ehemalige RAF-Terrorist Horst Mahler auf Lenin und Marx, allerdings beschränkten sich die Kontakte der damaligen Linken mehr oder weniger nur auf die DDR, von wo aus man in die Terrorcamps in den Nahen Osten flog, um sich auf den Straßenkampf vorzubereiten. Insgesamt prägten aber die Herren der Frankfurter Schule mit ihrem kritisch-dialektischen Ansatz, die progressive Studentenschaft nachhaltig und bis heute sind sie sogenannten Antifaschisten glühende Anhänger der Frankfurter Schule, die auch in den Vereinigten Staaten einflussreiche Anhänger hat. Zu nennen wäre hier beispielsweise der Stratfor-Gründer und Politologe George Friedman, der sich ebenfalls sehr lange mit der Frankfurter Schule auseinandersetze bevor er mit seinem Beratungsunternehmen vor allem die CIA beraten hat. Wer heute auf der Whistleblower-Plattform die E-Mails von Stratfor nach Jürgen Habermas durchsucht, der wird schnell fündig. Habermas ist oft in den Vereinigten Staaten unterwegs und genießt dort einen sehr hohen Stellenwert. Kritik am Westen und an der Bundesrepublik Deutschland ließt man heute auch sehr oft in den großen Zeitungen, wobei er zwar Kritik an Amerika zulässt, jedoch Antiamerikanismus und Antisemitismus gerne gleichsetzt, zumindest findet man solche Aussagen in seiner kritischen Aufsatzreihe „Der gespaltene Westen“, wo er sich in Aufsätzen und Interviews mit den Problemen des Westens auseinandersetz, nachdem die Anschläge vom 11 September die westliche Welt auf einmal ein neues Feindbild für sich entdeckt haben – den islamistischen Terrorismus. Doch was geschah zwischen 1990 und 2001, also zwischen dem Ende des Kalten Krieges und den Terroranschlägen? Hier gab es auch eine Spaltung in der linken Strömung, die sich etwa Mitte der 1990er vollzog. Auf der einen Seite gab es auf einmal die Antiimperialisten auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Antifaschisten. Damals fiel diese Unterscheidung kaum ins Gewicht und diese Unterscheidung prägte kaum die Debatte. Erst mit dem Ukraine-Konflikt und dem Internet wurde dieser Unterschied richtig deutlich. Antifaschisten oftmals mit den schwarz-roten Farben waren die Maidan-Anhänger und die Antiimperialisten solidarisierten sich mit den Rebellen in der Ostukraine. Es tobte nicht nur ein Informationskrieg, sondern auch ein Krieg unter den Linken. Während sich viele Anhänger des Antiimperialismus mit der gemischten Friedensbewegung solidarisierte und sich mehr auf Fakten berief als auf Polemik, so wussten sich viele Antifaschisten nicht anders zu helfen als mit der Antisemitismus-Keule um sich zu schlagen, die sogar gegen NATO-Gegner geschwungen wurde. Hier konnte man das erste Mal mit Verwunderung beobachten, wie sich Linke mit einem Militärbündnis solidarisierte, das sich seit Mitte der 1990er Jahre immer weiter gegen Osten ausbreitete – trotz gegenteiliger Vereinbarungen nach dem Ende des Kalten Krieges. Langhaarige Wehrdienstverweigerer trommeln und pfeifen lauthals gegen NATO-Gegner. Aber nicht nur das: Selbst die Faschisten in der Ukraine, die unverhohlen mit SS-Symbolen und Hakenkreuzen durch die Straßen zogen wurden verleugnet, verniedlicht oder gar als russische Verschwörungstheorie verleugnet. Und auch der Einfluss der USA auf den Maidan-Umsturz wurde vehement von antifaschistischer Seite bestritten, wobei auch wieder gerne mit antisemitischen Anschuldigungen gearbeitet wurde. Hier konnte man sich schon die Frage stellen: Wissen sie eigentlich was sie hier noch tun? Immerhin die 1968er-Bewegung stemmte sich noch gegen den amerikanischen Imperialismus und ging während des Vietnam-Kriegs auf die Straße, um gegen den US-Imperialismus zu demonstrieren. Aber immerhin wurde zu jener Zeit noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt, mit welcher Brutalität der USA gegen die Vietnamesen vorging, der wie der Ukraine-Krieg ein Stellvertreter-Krieg gegen Ost und West war. Im aktuellen Konflikt kommen die Leitmedien nur scheibchenweise bis gar nicht mit der Wahrheit und die verfälschte Berichterstattung ist nur noch zum fremdschämen.

DSCN0209

In den Zeiten des Kalten Krieges arbeitete der Westen, allen voran die USA, daran eine westliche Linke besonders auf kultureller Ebene zu installieren. Zu nennen ist hier der Kongress für kulturelle Freiheit, eine in Paris ansässige Kulturorganisation, die massiv vom US-Geheimdienst CIA unterstützt wurde, um somit gegen den von Moskau aus gesteuerten Kommunismus eine Gegenbewegung zu unterstützen. Westliche Linke aus ganz Europa fanden zwischen 1950 und 1969 in dieser Kulturorganisation eine intellektuelle Heimat. Prominente Vertreter aus Deutschland waren Heinrich Böll und Siegfried Lenz, die sich mit dem Geld aus Amerika ihre Zeitschriften und Bücher sowie Veranstaltungen finanzieren ließen. Also ein Marschall-Plan in kultureller Hinsicht, der aber auch US-Kritiker wie den Schriftsteller Thomas Mann oder den Philosophen Jean-Paul Satre bekämpfen sollte. Da der amerikanische Geheimdienst hier verdeckt operierte, blieb die US-Unterstützung lange Zeit unbekannt und erst Ende der 1990er Jahre wurde die verdeckte Tätigkeit zugegeben. Deswegen war es lange unklar, ob der Schriftsteller Böll wusste, dass er für die Amerikaner in kultureller Hinsicht eine nützliche Tätigkeit ausübte oder er stillschweigend sich mit diesem Makel abgefunden hat. Die heutige Heinrich-Böll-Stiftung ist heute vor allem in den ehemaligen Sowjetstaaten aktiv und fällt vor allem in Russland auf, wo man ebenfalls versucht in kultureller Hinsicht Stimmung gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verbreiten. Ihre Zielgruppe: Vermeintlich unterdrückte Randgruppen wie Homosexuelle, die man für sich gewinnen will um Reportagen und Geschichten über das angeblich diktatorische Russland zu generieren. Hier drängt sich ebenfalls die Frage auf, ob den Homosexuellen in Russland klar ist, dass sie für westliche Propaganda missbraucht werden. Wenn es ihnen nicht klar ist, dann teilen sie ihr Unwissen mit der Mehrheit der Homosexuellen im Westen, die ebenfalls an die Mär vom „bösen Russen“ glauben und ebenfalls Seite an Seite mit der Antifa sich gegen die „bösen prorussischen NATO-GEGNER“ stellen.

1426238_633423990053408_1104780871_n
Screenshot Facebook

In Zeiten wie diesen, wo die psychologische Kriegsführung mit dem Internet eine neue Dimension eingenommen hat, ist es einfach Desinformation zu verbreiten und unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Es wird schnell viel Unsinn verbreitet und die Masse scheint an alles zu glauben. Auf der anderen Seite sind auch viele Informationen frei zugänglich, die man früher nicht so schnell und so einfach bereit gestellt bekommt, so dass man mit wenigen Klicks sich eines besseren belehren kann. Aber damals wie heute spielt man gerne mit Emotionen und Opfer von vermeintlichen Regimes werden gerne vom politischen Gegner als Totschlagargument benutzt. Aber dennoch ist das kein Grund, an alles zu glauben, was das vermeintlich „Gute“ zelebriert, denn auch damals wie heute arbeiten die Mächte am liebsten verdeckt und spielen mit den Ängsten und Emotionen der Menschen, die Völker gegeneinander aus. Es ist auch nichts verwerfliches daran zu sehen, wenn man ein pro-westliches Weltbild pflegt und man eher von der amerikanischen als von der russischen Kultur beeindruckt ist. Viele Konservative im Westen denken so und sprechen das offen und ehrlich aus. Wenn sie sich in transatlantischen Denkfabriken vernetzen, dann tun sie das offen und machen keinen Hehl daraus, dass sie dadurch Vorteile in finanzieller oder ideeller Hinsicht erhalten. Man braucht sich deswegen auch nicht zu wundern, wenn ein Politiker oder Journalist dieser Couleur in einer Talkshow dann eine amerikanische Position einnimmt und möglicherweise nicht immer fair mit der anderen Seite umgeht. Auch das gehört zur Meinungsfreiheit in einer pluralistischen Gesellschaft, in der wir angeblich leben. Und immerhin: Es wird bewusst getan und bis auf wenige Ausnahmen kein Hehl daraus gemacht. Im gespaltenen Westen, der sich in links und recht aufteilt, ist das für das vermeintlich rechte Lager ein deutlicher Punkt. Denn wie man oben sieht, ist es nicht immer klar, ob die westliche Linke bewusst oder unbewusst für die USA Partei einnimmt. Wenn sie es versteckt tut, dann macht sie es oft sehr schlecht und heuchlerisch. Tut sie es allerdings unbewusst, dann handelt sie fahrlässig und unprofessionell. Das gilt gleichermaßen für Journalisten, Aktivisten oder Politiker. Vor allem deswegen, weil sie auch ungern aus der Geschichte lernen wollen, denn die Beispiele aus den Hochzeiten des Kalten Krieges haben gezeigt, wie leicht sich auch vermeintliche Intellektuelle steuern lassen und wie schnell sie für eine Seite nützliche Arbeit leisten, die sie ja eigentlich bekämpfen. Und in den späten 1960er Jahren war der Zugang zu Wissen und Fakten deutlich schwieriger zugänglich als in der heutigen Zeit der Informationsgesellschaft, die trotz Zensur und Propaganda immer noch gut funktioniert.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s