Medien: Das soziale Netzwork veröffentlicht im Schnitt nur jedes dritte Posting von Artikeln

In der Medienwelt wird Facebook immer noch als der Traffic-Lieferant Nr. 1 gesehen, ganz egal ob Mainstream oder alternatives Medium. Letztere bangen derweil um die Leserzahl, nachdem Facebook ankündigte, dass man Fake News zensieren will, nachdem man bereits viele Profile gesperrt oder gelöscht hat. Ein Mainstream-Medium aus Übersee zeigt gerade, dass Facebook nicht der Bringer ist, für den ihn die Online-Medien-Welt sieht.

Derweil ist das Thema Zensur auf Facebook in aller Munde: Für die Bekämpfung von Fake-News setzt Facebook seit der inflationären Verwendung des Begriffes auf das Recherchebüro Correctiv, was nun erklären soll, was wahr oder falsch ist – oder anders gesagt: Was darf man sagen oder nicht? Deswegen fürchten viele alternative Medienportale sowie Aktivisten das Ende der Meinungsfreiheit. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern darum, ob es überhaupt noch Sinn machen tut, dass man Zeit, Personal und damit auch Geld in Facebook stecken soll. Die US-Zeitung „Chicago Tribune“ hat mal Messungen durchgeführt und kam auf erstaunliche Ergebnisse, was die Reichweite der Postings auf Facebook betrifft.

Die Chicago Tribune ist eine überregionale Zeitung im Mittleren Westen der USA. Ihre politische Orientierung gilt als konservativ. Es handelt sich somit nicht um ein Medium, das irgendwie als anrüchig gilt und das um seine Leser zu kämpfen hat. Auf Twitter haben sie über 910.000 Follower und gilt somit als ein Medium, das nicht erst neu auf dem Markt ist, sondern an sich schon ein sehr bekanntes und überregionales Medium ist, das auch einen Online-Auftritt besitzt, dessen Artikel auch auf Facebook geteilt werden. Es ist nicht unüblich in der Branche, dass man auch Geld an Facebook zahlt, dass die Artikel beworben werden. Man erhofft sich dadurch, dass der sogenannte News-Algoritmus die Artikel an möglichst viele Nutzer verbreitet, die dann auch auf die Seite gehen, wo man dann das Geld verdienen soll.

Auf der unteren Statistik sieht man die durchschnittliche „organische Reichweite“ auf Facebook, man spircht auch von „Viralität“ – also letztlich die Frage, wie viele Nutzer sehen den Artikel auf Facebook. Man kann sehen, dass die Zahlen auf Facebook immer weiter nach unten abgleiten. Die einzige Ausnahmeerscheinung bildet hier die Zeit im November, als der US-Wahlkampf stattgefunden hatte und generell die Reichweite wieder nach oben ging. Ansonsten sind die Zahlen sehr bescheiden.

 

 

Als Quelle wurde das Facebook-Werkzeug „Facebook Insights“ genutzt, wo man diese Statisken erhält. Oben sieht man die Zahlen über den Zeitraum von Januar 2016 bis 17. März 2017. Unten nochmal die aktuellen Zahlen der letzten Monate, wo es wieder mal rapide herunterging, wie man auf dem Graph sehen kann. Nun könnte man sagen: Traue keiner Statistik, die du selbst gefälscht hast, aber unterstellen wir mal, die Messungen wurden nicht manipuliert und basieren auf realen Zahlenwerten, die unten graphisch dargestellt wurden. Eine Tendenz zeichnet sich hier ab und die geht nach unten.

Der komplette Artikel ist auf Medium abrufbar und wurde vom stellvertretenden Chefredakteur des Online-Auftrittes geschrieben, also für jemanden, der sich wirklich für die Zahlen interessieren muss. Schließlich sind für Online-Medien die Besuche auf den Seiten sehr wichtig, da viele Besucher auch gleichzeitig heißt, dass die Werbeeinnahmen steigen und somit auch der Umsatz. Deswegen will man nun seine digitale Strategie auf Facebook ändern. Ganz verzichten will man sicher nicht darauf, da man doch eine beachtliche Anzahl an Gefällt-mir-Angaben auf Facebook verbuchen kann. Letztlich führt man vieles auf den legendären Facebook-Algoritmus zurück, der entscheiden soll, was sich jemand anschaut und was nicht. Allerdings kann es nicht „den Algoritmus“ geben, da jeder Newsfeed eines Nutzers auch individuell ist und es deswegen darauf ankommt, ob jemand oft sich bei Facebook einloggt und ob jemand auch Facebook als ultimative Nachrichtenquelle nutzt oder ob er nicht dafür andere Portale wie Twitter, Paper.li, Google News oder einfach sich selbst auf die Suche im Internet begibt.

 

Ob man nun als Blogger, Redakteur oder Video-Journalist auf Facebook seine Priorität setzt, muss jeder selbst wissen. Natürlich wird es auch Medienportale geben, die aktuell bessere Erfahrungen mit Facebook machen, aber es ist auch wichtig zu wissen: Facebook ist so programmiert, dass persönliche Beiträge oder eigene Beiträge eher die Freunde und Abonennten erreichen als einen News-Beitrag von einer anderen Seite, die von der Facebook-Aktivität ablenken kann. Natürlich kann das teilen und liken von Artikeln nicht schaden und auch Portale, die Facebook verhalten nutzen sind sicher nicht darüber traurig, dass eine bekannte Seite einen Artikel in Gruppen oder auf anderen Seiten weiterverteilt. Und vor allem: Seit den Enthüllungen um die Massenüberwachungen von sozialen Medien wie Facebook und Co. erreichen gab es ohnehin schon einen Einbruch von Aktivitäten in sozialen Medien, was auf das kommunikationswissenschaftliche Phänomen „Schweigespirale“ zurückzuführen ist.

Aber stellt sich für viele kritischen Portale die Frage: Wenn Facebook ja ohnehin „zensiert“ und dafür Portale mit linksliberaler Ausrichtung und Finanzierung aus dem Establisment wie Correctiv heranzieht, warum wird dann noch so viel Energie auf dem Portal verschwendet?Macht es nicht eher Sinn auf die eigenen Inhalte zu setzen und diese so auszudrücken, dass man sie sowohl auf Facebook, in Suchmaschinen oder anderen Medien dann doch findet? Was das Sponsern von Postings betrifft sei noch was aus der eigenen Erkenntnis am Ende genannt: Wenn man auf einem Portal einen Artikel einreicht, dessen Vergütung auch an den Werbeeinahmen, also an den Klicks abhängig ist, wird vom Redakteur mit sagen wir einmal 5 Euro gesponsert, was zu einer Reichweite von 70.000 Personen führt, wo am Ende tatsächlich nur 900 Personen die Seite besuchen, dann gewinnt nur einer: Facebook und der andere hat keinen Profit dadurch, wenn man nicht gerade einen fixen Werbekunden hat, der weitaus mehr als 5 Euro raushaut, wenn 900 Personen seine Werbung sehen.

 

 

 

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