Kurz vor der französischen Wahl ploppte gestern ein vermeintlicher E-Mail-Skandal auf, der gerade dazu einlädt falsche Berichte und Nachrichten zu verbreiten. Über 9 Gigabite an elektronischen Daten, die aus dem Kreis von Macron stammen und allerlei kompromittierendes Material parat haben sollen. Zunächst könnte man sich an den 8. oder 9. November zurückerinnert fühlen, als in den USA der Wahlkampf bis zuletzt die Spannung aufrecht erhielt. Doch die Unterschiede sind signifikant.

Der wichtigste Unterschied besteht zunächst darin, dass WikiLeaks mit diesem Skandal nur periphär zu tun hatte und die Datenleaks auf dem sozialen Netzwerk begleitet. Man wisse anscheinend selbst nicht, wer hinter den Enthüllungen steckt, so dass man nunmehr eine Umfrage gestartet hat, wo man die Leser fragt, wen sie hinter den Leaks sehen. Anti-Macron-Lage, staatlich oder nicht-staatlich, anti-russisches Lager oder Macron selbst stehen auf der oberen Umfrage zur Wahl.

 

Für viele war es gleich klar, dass entweder WikiLeaks, die Russen oder beide zusammen hinter den jüngsten Leaks stecken, die sowohl Wahrheiten als auch dreiste Lügen beinhalten. WikiLeaks schließt Russland allerdings aus, obgleich im gesichteten Datenmaterial eine russische Spur entdeckt wurde, wonach eine Sicherheitsfirma, die auch für Regierungsbehörden arbeitet und mit Staatsgeheimnissen betraut war sich in den Metadaten – also in Daten, die andere Daten beschreiben – wiederfindet. Dennoch sah man in den Leaks eher den Urheber in den USA – im rechten Lager, wo man Le Pen wohl lieber als neue Präsidentin wählen würde als Macron.

Dabei war bereits der erste Wahlgang vielleicht ausschlaggebend für den Vorsprung den Macron nun vor Le Pen hat. Wo man auch bei den Unterschieden zwischen Frankreich und den USA ist, denn in Frankreich sah man vier Kandidaten vor dem ersten Wahlgang als potentiellen Kandidaten und der heutige Wahlsieg – wer auch immer nun – sei den Prognosen zufolge davon abhängig zu machen, wer im ersten Wahlgang die meisten Stimmen für sich entscheiden konnte. Eine Stichwahl ist in Frankreich nicht unbedingt ein Sonderfall und bereits 2012 wurde der Kampf um das höchste Amt in Paris zwischen Francois Hollande und Nicolas Sarkozy entschieden.

 

Für WikiLeaks war auch der aktuelle Vorsprung von Macron zu groß, dass dieser „Skandal“ wohl nicht kriegsentscheidend sein wird, wie bereits auch die obere Umfrage sowie ältere Prognosen zeigen.

Über die Einflussnahme der Amerikaner in diese Wahl wurde bereits auf WikiLeaks hingewiesen. Die USA sollten demzufolge mit allen erdenklichen nachrichtendienstlichen Methoden auf jedes Lager und jede Person Einfluss nehmen. Und der Ex-Präsident der USA, Barack Obama, machte sich damals wie heute für den jungen Macron, der für seine „En Marche“-Bewegung um das Amt des Französischen Präsidenten kämpft. Zuvor veröffentlichte WikiLeaks im Februar Daten, wo Le Pen und Fillon Korruption vorgeworfen wurde.

Der Unterschied zu den Clinton-Mails zeigt sich am deutlichsten darin, dass WikiLeaks bereits vor der Kandidatur von Clinton bereits Material veröffentlichte und bis zum Schluss über hunderttausende von E-Mails enthüllte, die nicht gerade Clinton unterstützten. Auch hier wurde monatelang WikiLeaks vorgeworfen, dass man sich vom russischen „Geheimdienst“ instrumentalisieren lasse. Die MacronLeaks kamen gestern zum Vorschein und viele Medienpartner und WikiLeaks-nahe Datenjournalisten sagten, dass es zu früh sei, um aus diesem Datensatz Erkenntnisse zu gewinnen, weil die Analyse eines 9-Gigabite-Datensatzes nicht von heute auf morgen funktionieren kann.

 

https://twitter.com/arthdevitton/status/860931990656348163

Derweil vermutet WikiLeaks-Medienpartner „Mediapart“, dass rechtsextreme Personen aus den USA für die sogenannte „Stinkbombe“ verantwortlich seinen, also auch keine Russen. Aber auf Amerika, das rechte Trump-Lager oder andere die sich mit der Präsidentin Le Pen einen Vorteil versprechen, werden gar nicht erst in vielen Berichten in Betracht gezogen. Das französische Enthüllungsportal begründet seine Thesen mit Experten aus der Wissenschaft der elektronischen Daten, sowie auf erfahrene Journalisten, die bereits mit WikiLeaks zusammengearbeitet haben. Vor gut zwei Jahren enthüllte WikiLeaks bereits, dass die NSA via Selektoren versuchen, massenhaft an die Daten von französischen Spitzenpolitikern zu kommen.

 

 

Die Unterschiede sind demnach gravierend im Themenbereich, in der Größe, der Kadenz sowie dem Zeitpunkt zu dem sie veröffentlicht wurden. Vor allem aber kann man WikiLeaks ja viel vorwerfen, aber nicht, dass WikiLeaks falsche Tatsachen vorsätzlich durch den virtuellen Äther schickt, um eine Wahl zu beeinflussen. Denn WikiLeaks-Begründer Julian Assange wies im Zuge der Clinton-Leaks immer darauf hin, dass er nicht Trump favorisiere, der ihn nun vor ein Gericht stellen will und auch immer wieder betonte, dass Trump, wie Le Pen, Sarkozy oder auch Macron kein unbeschriebenes Blatt auf WikiLeaks ist. Vielmehr ist es den Journalisten heute wichtiger große Schlagzeilen zu schreiben als selbst zu recherchieren und mit einer milderen Schlagzeile für mehr Erkenntnis-Gewinn sorgen könnte.

Advertisements

1 Kommentar »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s