Nachdem WikiLeaks über die Jahre hinweg viel Material über die massenhafte Überwachung des Internets durch amerikanische Geheimdienste veröffentlicht hatte, wurden heute Daten eines privaten Unternehmens aus Russland veröffentlicht, wo vor allem die Kooperation zwischen privaten Unternehmen und den russischen Geheimdiensten und Behörden dokumentiert wird. Insgesamt startete die Reihe heute mit 209 geleakten Dokumenten des St. Petersburger Unternehmens PETER-SERVICE. Es geht um Massenüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und Big Data.

Die Dokumente stammen laut Presseerklärung aus den Jahren 2007 bis 2015 und dokumentieren die Zusammenarbeit zwischen privaten Internet- und Mobilfunkanbietern mit dem staatlichen Überwachungsprogramm SORM.  SORM (russisch Система технических средств для обеспечения функций Оперативно-Розыскных Мероприятий; COPM) ist ein Überwachungsprogramm des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, das Telefon- und Internet-Daten in Russland abfängt und speichert. Technisch ist SORM mit PRISM vergleichbar. Die Veröffentlichung beginnt mit der Software PETER-SERVICE, wobei unter anderem um die Vorratsdatenspeicherung der Internet-Kommunikation und der Mobilfunk-Kommunikation geht. PETER-SERVICE ist ein Unternehmen, das seit 1992 Abrechnungslösungen für Telekommunikationsunternehmen anbietet und ist insoweit ein idealer Partner für die Internet-Überwachung. Die Basisarchitektur der Software von PETER-SERVICE ( SVC_BASE ) umfasst Komponenten für die Datenaufbewahrung (DRS [en] , [ru] ), Langzeitlagerung in SORM (SSP, Service – СП-ПУ) , IP –Traffic – Analyse (Verkehrsdaten Mart, TDM) und Schnittstellen (Adapter) für staatliche Stellen, die auf Archive zugreifen. SORM nutzt unter anderem der russische Inlandsgeheimdienst FSB, um die Kommunikation von Zielpersonen zu überwachen und zu dokumentieren.

Die Veröffentlichungen geben unter anderem weite Einblicke in die digitale Architektur in Russland, unter anderem, wo sich die digitalen Internetknoten befinden. Zudem geben die Dokumente unter anderem Einblicke, wie man die große Masse an Daten (Big Data) bewältigen will. Weitere Details sowie die zahlreichen Dokumente in russischer Sprache sind auf WikiLeaks abrufbar. Bereits der NSA-Whistleblower Edward Snowden kritisierte im Jahre 2015 die massenhafte Überwachung über SORM im russischen Exil. Überraschend dürfte es insoweit nicht sein, dass auch in Russland moderne Technologie angewendet wird, um die Internetkommunikation von verdächtigen Personen zu überwachen. Allerdings ist der Moment der Veröffentlichung sowie die Masse der Daten, die zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht gänzlich ausgewertet werden kann. Bis letzte Woche veröffentlichte WikiLeaks noch wöchentlich über das Hackingprogramm des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, das unter Vault7 bekannt ist.

 

 

WikiLeaks stand unter anderem in der Kritik, dass man bislang nur Einblicke in die Überwachung der USA veröffentlichte, während Russland verschont bliebe. Deswegen wurde der Transparenz-Plattform unter anderem vorgeworfen, dass man zu einseitig berichtete. Tatsächlich sind diese Daten über die Überwachungstätigkeiten in Russland ein Novum, denn bislang wurde überwiegend Material der US-Sicherheitsbehörde NSA sowie der CIA veröffentlicht, nicht aber vergleichbares Material von russischer Seite. Laut der Pressemitteilung von WikiLeaks soll dies erst der Startschuss sein.

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