Seit gestern steht fest, dass eine Jamaika-Koalition in Berlin nicht regieren wird. Nachdem die FDP die Reißleine gezogen hat, wird nun Christian Lindner die Schuld gegeben und die Medien haben ihn zum „Buhmann der Nation“ und Sündenbock stigmatisiert. Dabei hat er alles richtig gemacht, nachdem die FDP den Fehler gemacht hatte überhaupt sich auf solche Koalitionsgespräche einzulassen.

Für Politiker und Medien, die sich dezidiert für eine weitere Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel ausgesprochen haben, ist seit gestern eine Welt zusammengebrochen. Nachdem man sich anscheinend ein Happy End in den Jamaika-Verhandlungen wünschte, zog sich die FDP schließlich zurück und ihr Chef Lindner ist nun der Schuldige, dass es nicht so weiter geht wie in den letzten vier Jahren – oder es gar noch schlimmer wird. Es gibt nun sicher viele Gründe, die FDP nicht zu wählen und sie zu kritisieren. Aber an dieser Stelle hatte Lindner das einzig richtige getan und Schaden von seiner Partei abgewendet. Erinnern wir uns zurück an das Jahr 2013: Die FDP flog nach vier Jahren schwarz-gelber Koalition aus dem Bundestag, weil sie als Juniorpartner der CDU ihre Prinzipien über Bord geworfen hat. Das soll so in den nächsten vier Jahren nicht mehr passieren. Aber genau das wäre passiert, wenn man wieder auf Kosten der CDU und Grünen seine Prinzipien abermals über Bord geworfen hätte. Die FDP ging kehrte nach vier Jahren Abwesenheit wieder in den Bundestag zurück und wollte nicht wieder rausfliegen, weil man zugunsten einiger Regierungsposten seine Wahlversprechen über Bord geworfen hätte.

Am schlimmsten schreien aktuell die Grünen, die nun denken, dass wäre alles geplant. Dabei schien es so, dass gerade der kleinste Partner mit neun Prozent die größten Forderungen stellte und die unpopulärsten Forderungen für das Zustandekommen einer solchen Koalition stellte. Familiennachzug, Ministerposten, Diesel, Sanktionen gegen Russland und so weiter. Kein Wunder also, dass die Leitmedien, die überwiegend aus dem linksliberalen Klientel stammen nun gerade diese Partei nicht den schwarzen Peter zuschieben wollen, sondern halt der FDP, die bereits am vergangenen Sonntag eine Deadline bis 18:00 Uhr angesetzt haben und dann schließlich Stunden später sagten: „Jetzt ist Schluss!“

Schluss mit der Toleranz-Romantik von Schwarz-Gelb-Grün in den Farben von Jamaika. Aus der Traum von mehr Flüchtlingen, Verboten und mehr Gender-Wahn. Nun stehen Neuwahlen im Raum und die Medien sehen die Grüne Partei als „Sieger“ und die FDP als „Verlierer“, wenn es denn tatsächlich zu Neuwahlen kommt, wonach es gerade aussieht. Wie diese Wahlen ausgehen, das steht nun erstmal noch in den Sternen und da helfen auch keine geschönten Umfragen weiter. Vor allem bleibt aber noch die Frage offen, warum ausgerechnet der ungewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (ruhendes SPD-Mitglied) sich keine Neuwahlen wünscht. Schließlich hat seine Partei die Regierungsbildung nicht vermasselt und beharrt weiter darauf, dass man keine Fortsetzung der Großen Koalition will.

Quelle: Screenshot Bild

Eine doch berechtigte Frage stellt sich die Bild-Zeitung, die sich folgendes fragte: „Was gibt´s denn da zu klatschen?“ – vor allem aber: Wann hatte die CDU überhaupt einen Grund zu klatschen? Mit den oben zu sehenden 32,9 Prozent holte die CDU trotz massiver Propaganda und PR-Arbeit ihr bislang schlechtestes Ergebnis seit 1949 ein und dennoch dachte man nicht daran, dass man irgendwas ändern muss, wenn man sich zwei kleine Junior-Partner in die Regierung holt und dann so weiter macht wie bisher. Warum auch? Es geht nicht um Deutschland, sondern es geht um den Machterhalt der herrschenden Eliten, wozu auch die Leitmedien gehören, die nun sicher nicht froh über Lindners Entscheidung sind und sich einfach dachten, es wird schon gut gehen. Denn schließlich hat man sicher schon große Schlagzeilen geplant, die ein erfolgreiches Verhandlungsergebnis der Jamaika-Verhandlungen zelebrierten. Aber man wirft ja noch Lindner vor, dass seine PR-Berater auch ein Scheitern solcher Verhandlungen einkalkuliert hat, weswegen nun viele von einem abgekarteten Spiel Lindners sprechen.

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