Am Mittwoch veröffentlichte das Portal „The Intercept“ von Gleen Greenwald einen Artikel, der sich mit geleakten Twitter-Nachrichten von WikiLeaks beschäftigt. Ein „Whistleblower“ spielte dem Portal sämtliche Screenshots zu, die zeigen sollen wie „böse und einseitig“ WikiLeaks und ihr Boss Julian Assange agiert. Obwohl Assange selbst einen Twitter-Account besitzt und er nicht alleine den offiziellen Twitter-Account verwaltet, werden ihm alle vermeintlichen Geschmacklosigkeiten zugerechnet, die der Twitter-Account von sich gegeben hat.

Worum es geht: Zwei Journalisten von „The Intercept“ veröffentlichten einen Artikel mit Screenshots aus einer Twitter-Chatgruppe, die ein Whistleblower namens „Hazelpress“ veröffentlicht, der zuvor als Unterstützer für WikiLeaks auf Twitter tätig war. Am Mittwoch wurden dann über 11.000 Einträge aus einer internen Twitter-Chat-Group, bei der es sich laut Eigenbeschreibung um einen „Kanal mit niedriger Sicherheitsstufe“ für „langjährige und zuverlässige Unterstützer“ handelt, den Julian Assange auch als „WikiLeaks Task Force“ bezeichnete. Über interne Abläufe, die über verschlüsselte Kanäle gewöhnlich laufen, sowie über Quellen wird nichts bekannt, wie selbst auch das Greenwald-Portal zugeben musste. Greenwald selbst wird nicht als Autor des Artikels genannt.

Sie verraten nichts Neues über die Beziehung von WikiLeaks zur Trump-Kampagne. […] Die Chats beleuchten keine Verbindungen mit der russischen Regierung oder erzählen uns etwas über die Identität der Quelle, die WikiLeaks mit E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees und des Clinton-Kampagnenleiters John Podesta versorgt hat, zitiert RT Deutsch aus dem Artikel.

Hervorgehoben werden diverse „politische Inkorrektheiten“, die man anscheinend allesamt WikiLeaks-Boss Julian Assange in die Schuhe schieben möchte, obwohl dieser zu bestimmten Zeitpunkten keinen Internetzugang hatte, wie das US-Portal „MintPress News“ anmerkte. Auf dem englischsprachigen Portal wird schon länger vermutet, dass sich „The Intercept“ schon seit längerem gegen WikiLeaks positionieren will oder gerade dafür geschaffen wurde. Ein entsprechender Artikel hierüber, der sich auf Angaben von FBI-Whistleblowerin Sibel Edmonds stützt wurde bereits am 18. Januar veröffentlicht und ist auf dem Twitter-Account oben angeheftet. Man wolle Whistleblower wie beispielsweise Edward Snowden an „The Intercept“ binden und WikiLeaks „neutralisieren“, wie es in der Quintessenz des Artikels rüberkommt.

WikiLeaks selbst veröffentlichte zahlreiche E-Mails aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clintons Berater John Podesta, womit man von einer Ironie des Schicksals sprechen könnte. Aber bemerkenswert ist an dieser Stelle auch, dass man den Artikel fast zeitgleich mit der Entscheidung der Briten über Assanges Haftbefehl veröffentlichte, wie RT Deutsch ebenfalls gut erkannt hatte.

Die Veröffentlichung der internen Kommunikation ist der zweite Tiefschlag, die er innerhalb von Tagen hinnehmen musste. Erst am Dienstag hatte ein britisches Gericht beschlossen, den Haftbefehl gegen ihn aufrechtzuerhalten. Assange muss daher weiter in der ecuadorianischen Botschaft in London ausharren, in die er sich im Jahr 2012 geflüchtet hatte, schreibt das russische Portal am Ende des Artikels.

Aber bemerkenswert ist auch, dass das vermeintliche Konkurrenzportal sich dem „Twittergate“ von WikiLeaks angenommen hatte und alle kompromittierenden Aussagen Julian Assange zugeschrieben haben, der beispielsweise niemals einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er Hillary Clinton wegen ihrer aggressiven US-Außenpolitik als Außenministerin unter Barack Obamas Regentschaft. Ein großer Erkenntnisgewinn wurde aus den Leaks nichts gewonnen, aber eine sichere Erkenntnis. Nämlich, dass sich „The Intercept“ immer mehr gegen WikiLeaks in Position bringen wird, nachdem man noch im Jahre 2013 im Hinblick auf den NSA-Whistleblower Edward Snowden eng zusammenarbeitete.

Alleridings WikiLeaks haben schon einige verlassen und sind heute Repräsentanten des linken Establishments. „The Intercept“ ist somit kein Einzelfall. Man erinnere sich noch an Daniel Domscheit-Berg, der einst der zweite Mann hinter Julian Assange war und das Portal später verlassen hatte und heute für linke Stiftungen und die gesteuerte Opposition Reden und Vorträge hält. Auch Edward Snowden und sein Leibjournalist Glenn Greenwald deuteten immer wieder an, dass sie von Assange sich mehr und mehr distanzieren. Dabei ist aber auch eines zu bemerken: Auch wenn die Daten von NSA-Whistleblower Snowden hohe Wellen geschlagen haben, so ist zu berücksichtigen, dass es bereits zuvor in den 12 Millionen Dokumenten von WikiLeaks ebenfalls Dokumente gibt, die auf die globale Überwachungsstrategie der angelsächsischen Geheimdienste hingewiesen haben.Sie fanden allerdings nicht so stark ihren Weg in die öffentliche Debatte, sondern wurden besonders von den Mainstream-Medien bestenfalls stiefmütterlich behandelt.

 

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