Gestern jährte sich der Todestag von Stepan Bandera, der am 15. Oktober 1959 vom KGB-Agenten Bogdan Stachiski mit Blausäure vergiftet wurde. Die Rolle von Bandera ist heute umstritten.

Seit 2010 wird er in Kiew wieder als „Held der Ukraine“ gefeiert, während man ihn in Moskau als Nationalist, Faschistenführer und Nazi-Kollaborateur sieht.

Der britische Journalist und YouTuber Graham William Phillips befand sich gestern in München und suchte unter anderem sein Grab auf, wo er auf sechs Anhänger Banderas traf:

Er selbst macht keinen Hehl daraus, wie er zu Bandera steht. Nachdem die Luft rein war, entfernte der YouTuber die ukrainische Flagge und ersetzte die Devotionalien durch ein Plakat, auf dem er Bandera als ukrainischen Nazi bezeichnete. Auch hierüber veröffentlichte er ein Video:

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine: im Osten der Ukraine, in Russland, in Polen und in Israel wird diese Meinung weitestgehend geteilt.

Und genau deswegen ist es für viele unverständlich, wieso das Grab von Bandera überhaupt noch in München steht, wo man es bereits zum dritten oder vierten Male schändete, und warum eine solche Verherrlichung in München überhaupt zulässig ist.

Ein größeres Aufkommen gab es im Jahre 2015, ebenfalls in München, wie man auf diesem Twitter-Foto sehen kann.

Damals wurde der Grabstein erneuert und dieses Ereignis fand kaum mediale Beachtung, wohl auch deswegen, weil es nicht zur demokratischen „Maidan-Revolution“ im Jahre 2014 passt.

 

Vor allem könnte es daran liegen, dass in München kaum jemand etwas mit dem Namen Bandera anfangen kann. Das zeigt beispielsweise auch die Umfrage des Bloggers, die er in der Kreitmeyerstraße tätigte, dort wo Bandera seine Exilwohnung hatte und von KGB-Agent Stachinski getötet wurde.

Antonio Banderas? So in etwa denken viele Münchner, wenn sie den Namen hörten. Warum und weshalb er ausgerechnet in Nachkriegsdeutschland Asyl bekam, hat unterschiedliche Gründe.

Der wichtigste Grund dürfte allerdings sein, dass er westlichen Geheimdiensten wie dem Bundesnachrichtendienst, der damals gerade gegründet wurde, sowie CIA im Kampf gegen die Sowjetunion von Nutzen gewesen sein könnte.

Damals wie heute könnte das ein Grund sein, warum das Thema Neonazismus, Faschismus und Nationalismus in der Ukraine in Deutschland kleingeredet wird.

Zwar wird nun teilweise zugegeben, dass sich auch deutsche Rechtsextreme in der Ukraine am Bürgerkrieg beteiligen, aber über die genaue Anzahl halten sich Behörden, Politiker und Medien bedeckt. Spricht man dieses Thema an, so muss man sich gleich vorhalten lassen, dass man sich der „Kreml-Propaganda“ bediene.

In München hielten sich seiner Zeit viele ukrainischen Nationalisten auf, die sich nicht unbedingt immer einig waren, so dass es auch vorgekommen ist, dass sie sich gegenseitig umgebracht hatten. Deswegen tappten die Deutschen Ermittler auch lange im Dunkeln, als sie nach dem Mörder des OUN-Führers Bandera fahndeten.

Der Fall wurde erst gelöst, nachdem sich KGB-Agent Stachinski selbst den deutschen Behörden stellte und mit diesen kollaborierte. Der Prozess ging als „Stachinski-Fall“ in die deutsche Rechtsgeschichte ein, als man den Agenten 1962 nur als Gehilfen und nicht als Mittäter eines heimtückischen Mordes verurteilte. Was später aus dem Überläufer Stachinski wurde, darüber scheiden sich bis heute die Geister.

Die deutsche Agentenserie „Die Fünfte Kolonne“ verfilmte die  Morde Stachinskis an den exil-ukrainischen Politikern Lew Rebet (1957) und Stepan Bandera mit speziell gefertigten Blausäurepistolen in München, die bis heute beispielhaft sind, wenn man den Begriff Auftragsmord erklären will.

 

 

 

 

 

 

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