Anfang der Woche machte Bild die große „Enthüllung“: Putins Stasi-Ausweis wurde in Dresden entdeckt. In jener Stadt, wo er als KGB-Verbindungsoffizier seinen Dienst verrichtete. Wie sich nun herausstellte, sei die Vergabe eines solchen Ausweises durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS oder Stasi) gängige Praxis gewesen.

Denn somit werden aufwändige Sicherheitskontrollen vermieden und so konnte der heutige Präsident einst seine deutschen Kollegen schneller besuchen. In einem Artikel auf Sputnik Deutschland unter Bezugnahme auf die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) steht:

Nach bisherigem Forschungsstand sei ein solcher MfS-Hausausweis für KGB-Mitarbeiter „kein Hinweis darauf, dass Wladimir Putin für das MfS gearbeitet hat“. Das teilt die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) auf ihrer Website mit. Solche Ausweise seien „übliche Praxis“ gewesen.

„Enthüllter Ausweis“ von Putin, den das Ministerium für Staatssicherheit ausstellte. Quelle: Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU)

„Der Ausweis war Teil der Ausstattung für die Erledigung der Aufgaben des KGB in der Zusammenarbeit mit dem MfS. Welche Aufgaben zu erledigen waren, sind dem Hausausweis nicht zu entnehmen und auch in der Existenz eines solchen Ausweises nicht zu erkennen.“

Wer als Verbindungsoffizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB seinen Dienst in der DDR versah, wurde laut BStU mit einem Hausausweis der zuständigen MfS-Dienststelle ausgestattet. In den Bezirken der DDR erhielten nach Angaben der Behörde die KGB-Vertreter damit Zugang zu den Bezirksverwaltungen des MfS.

„Dies trifft auch auf den MfS-Hausausweis von Wladimir Putin zu, der in Dresden von 1985-1990 seinen Dienst als ein dem KGB-Verbindungsoffizier untergeordneter Offizier verrichtete.“

Bild macht immer wieder reißerische Meldungen über Lappalien und macht aus einer Mücke gerne einen Elefanten. Außerdem ist die Berichterstattung stets reißerisch und tendenziös gegen Putin und Russland ausgerichtet. Das fällt in der Konnotation und Intonation in Texten über Russland auf. Sputnik beruft sich weiters auf offizielle Dokumente und führt weiter aus.

Quelle: Screenshot Bild

Laut BStU wurde die entsprechende Regelung schriftlich im Artikel V des am 29. März 1978 vom Minister für Staatssicherheit Erich Mielke und dem damaligen KGB-Vorsitzenden Juri Andropow unterschriebenen Protokoll über die Regelung des Zusammenwirkens zwischen dem MfS und der KGB-Vertretung in Karlshorst festgehalten:

„Die Verbindungsoffiziere der Vertretung des KfS [KGB] beim MfS der DDR sowie andere, mit der Unterhaltung der Verbindung zu den Leitern der Diensteinheiten des MfS der DDR beauftragte Mitarbeiter der Vertretung des KfS beim MfS der DDR werden zur Erfüllung ihrer […] Aufgaben mit Dienstdokumenten des MfS der DDR ausgerüstet, die es ihnen gestatten, die Diensträumlichkeiten des MfS der DDR zu betreten.“

In den Bezirken der DDR erhielten die KGB-Vertreter damit Zugang zu den Bezirksverwaltungen des MfS. Das war auch der Fall bei Wladimir Putin, der damals für die KGB-Dienststelle im Bezirk Dresden tätig war und aus diesem Grund einen Hausausweis von der MfS-Bezirksverwaltung bekam.

Nach bisherigem Forschungsstand ist die Ausstellung eines Hausausweises auf der oben beschriebenen Basis kein Hinweis darauf, dass Wladimir Putin für das MfS gearbeitet hat. Der Ausweis war Teil der Ausstattung für die Erledigung der Aufgaben des KGB in der Zusammenarbeit mit dem MfS. Welche Aufgaben zu erledigen waren, sind dem Hausausweis nicht zu entnehmen und auch in der Existenz eines solchen Ausweises nicht zu erkennen.

Einfacher gesagt: Putin erhielt diesen Ausweis, der allerdings keine Rückschlüsse darauf ziehen lässt, dass er aktiver Mitarbeiter des MfS war. Anders als Bild es in seiner Berichterstattung dargestellt wird, war dieser Ausweis also auch „keine Tarnung“, sondern lediglich eine Formalität um die Arbeit zwischen beiden befreundeten Nachrichtendiensten zu vereinfachen.

Mehr kann man wohl nach Aktenlage nicht aus diesem Ausweisdokument schließen. Auch die Veröffentlichung durch die BStU mag den Schluss zulassen, dass man die Berichterstattung von Bild relativieren mag, weil sie nicht der Wahrheit entspricht.

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