Seit vielen Jahren ist der Iran ins Visier des Westens geraten. Anfang 2018 versuchte der US-amerikanische Geheimdienst CIA eine Revolution in Teheran und anderen Großstädten der Islamischen Republik zu starten. Diese Methode der „Soft power“ setzen die Amerikaner und seine westlichen Verbündeten seit Jahrzehnten ein. Mal mit Erfolg, mal mit weniger Erfolg. Aber auch der Iran hat sich inzwischen Mittel und Methoden der hybriden Kriegsführung angeeignet.

Hybride Kriegsführung ist ein Begriff, den das deutsche Verteidigungsministerium in seinem Weißbuch 2016 besondere Aufmerksamkeit schenkte. Darunter versteht man eine Kombination (daher hybride) aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichen Druck, Hackerangriffen, sowie Propaganda auf allen Medienkanälen und sozialen Netzwerken. Oftmals steht dabei der klassische Militärschlag nicht im Vordergrund. Denn diesen will man vermeiden, indem man die Bevölkerung im anvisierten Land durch weichere Methoden (sogenannte „soft power“) für sich gewinnen will.

Man will nicht unbedingt einen materiellen Schaden anrichten, sondern die Gesellschaft gegenüber der Staatsmacht aufbringen, indem man die öffentliche Meinung beeinflusst. Für das deutsche Verteidigungsministerium sind daher gerade offene und pluralistische Gesellschaften anfällig. Daher wurde 2016 eingehend vor solchen Bedrohungen gewarnt. Allerdings stand nicht der Iran, sondern Russland im Fokus, von dem hybride Bedrohungen ausgehen sollen.

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Wie man an den Aufständen im Iran sehen konnte, sind aber nicht nur (aus westlicher Sicht) offene, pluralistische und demokratische Gesellschaften und Staaten mit hybriden Angriffen verwundbar, sondern auch Staaten, die man aus westlicher Sicht eher als autoritär und undemokratisch bezeichnen würden, so bekanntlich auch der Iran.

In modernen Konfliktszenarien setzen Angreifer auf eine Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck, Computerangriffen bis hin zu Propaganda in den Medien und sozialen Netzwerken. Dieses Vorgehen wird auch als „hybride Taktik“ oder „hybride Kriegsführung“ bezeichnet. „Das Besondere an der hybriden Kriegsführung ist die Verschleierungstaktik. Die Täter operieren entweder anonym oder bestreiten Beteiligungen an Vorfällen und Konflikten. Sie gehen dabei äußerst kreativ und koordiniert vor, ohne die Schwelle zu einem offiziellen Krieg zu überschreiten“, so das Bundesministerium für Verteidigung, das den Begriff ausführlich definiert.

Auch die USA und die CIA verschleiern ihre Absichten im Iran. Dafür wurde im Jahre 2017 das Iran Mission Center ins Leben gerufen, über den das Ron Paul Institute for Peace and Prosperity einen ausführlichen Artikel geschrieben hat. Der Anstoß zu dieser Initiative kam vom damaligen CIA-Direktor John Brennan, der aus dem Amt schied, als die Regierung Trump das Weiße Haus übernahm. Brennan war der Meinung, die CIA müsse die Aufmerksamkeit auf die Regionen bündeln, die von den USA als problematisch erachtet werden, also beispielsweise Nordkorea und der Iran, so im Artikel.

Symbol der Quds-Brigaden. Foto: IRNA

 

Die Iranischen Revolutionsgarden (auch IRCQ oder Sepah abgekürzt) haben längst erkannt, dass die USA versuchen, den nächsten Putsch im Lande vorzubereiten. Deswegen wurden die Quds-Streitkräfte ins Leben gerufen. Eine Sondereinheit innerhalb der Sepah (Sepah-e Pasdaran-e Enghelab-e Eslami), die in erster Linie dafür bestimmt ist, hybride Bedrohungen abzuwehren. Der Begriff leitet sich aus dem islamischen Namen der Stadt Jerusalem (al-Quds) ab. Zum Einsatz ist die Einheit im Krieg gegen den Irak gekommen (Erster Golfkrieg), als die Amerikaner den Irak noch unterstützt haben. Der Krieg dauerte von 1980 bis 1988 und die iranische Bevölkerung war stark vom Krieg gebeutelt, so dass die Spezialeinheiten in erster Linie versuchten, wieder Ordnung ins Land zu bringen.

Doch nicht nur im Landesinneren, sondern auch im Ausland versuchen die Quds-Einheiten die Interessen des Iran zu sichern beziehungsweise dem Iran nahestehende Kräfte zu unterstützen. So waren sie beispielsweise am Aufbau der libanesischen Hisbollah-Miliz im Jahre 1982, deren geistlicher Führer das Iranische Revolutionsoberhaupt ist, maßgeblich beteiligt. Es ist bekannt, dass die Hisbollah-Miliz, deren politischer Führer Seyyed Hassan Nasrallah ist, im Syrien-Krieg die Regierungstruppen von Präsident Bashar al-Assad unterstützen.

Auch die zahlreichen Luftangriffe Israels auf dem syrischen Territorium sind auf Stützpunkte der Quds-Brigaden gerichtet, die mitunter mit freiwilligen aus der ganzen islamischen Welt die syrisch-arabische Armee unterstützen.

Generalmajor Qassem Soleimani ist seit 1998 Anführer der Quds-Brigaden. Foto: PressTV

 

Die Quds-Einheit unterstützte u. a. kurdische Guerillas im Krieg gegen den Irak, islamistische Kräfte während des Bosnienkrieges und Teile der afghanischen Nordallianz in den Auseinandersetzungen gegen die Taliban. Auch heute sind die Brigaden im Kampf gegen den Islamischen Staat im Irak aktiv, nachdem sich der Iran wieder mit dem irakischen Nachbarn aufgrund der neuen politischen Lage wieder ausgesöhnt haben. Nachdem vor fast 39 Jahren die USA noch die Iraker im Krieg gegen Iran unterstützen, dürfte wohl für beide ehemals verfeindeten Nachbarn nunmehr die USA der gemeinsame Gegner sein.

Die Unterstützung erfolgt durch Finanzierung, Ausbildung und Bereitstellung von Waffen und Gerät. Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf schiitische Kräfte. Die Quds-Einheit unterstützt z. B. auch proiranische Kräfte innerhalb der Hamas oder den sunnitischen Palästinensischen Islamischen Dschihad.

Zusammenfassend lässt dich das Tätigkeitsfeld der Einheiten als Abwehreinheit gegen sämtliche Bedrohungen gegen den Iran beschreiben, die mitunter auch aktiv im Ausland operieren, um dort Bedrohungen gegen Iran zu unterbinden beziehungsweise zu beseitigen. Weiters nimmt sie an den Stellvertreterkriegen teil, die im Nahen Osten jahrzehntelang zum Alltag gehören.

Das Militärportal South Front hat in englischer Sprache in einer 15-minütigen Dokumentation die iranische Spezialeinheit vorgestellt. Wie der Titel bereits andeutet, liegt der Fokus dieses Beitrages auf die Stellvertreterkriege (proxy wars), in denen der Iran involviert ist,  wie in Syrien, Afghanistan, Pakistan oder Irak. Neben der hybriden Kriegsführung wird auch die asymetrische Kriegsführung beschrieben, worunter eine militärische Auseinandersetzung zwischen Parteien, die waffentechnisch, organisatorisch und strategisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind. Darunter fallen auch einzelne Operationen im Ausland, wie Sabotageakte, Guerillakrieg, die Finanzierung von fremden Einheiten (wie die Hisbollah), strategische Aufklärung oder Hinterhalte.

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