Zwanzig Jahre später bleibt die Bombardierung Jugoslawiens einer der umstrittensten Momente in der Geschichte der NATO. Die an der Operation beteiligten Länder ziehen es vor, die Entscheidung als gerechtfertigt und notwendig zu bezeichnen. Der Tod von mehr als zweitausend Zivilisten, darunter 78 Kindern, ist jedoch kaum zu rechtfertigen. Dieser Moment war ein Wendepunkt für die Balkanregion, die zum Zentrum der Instabilität in Europa wurde. Aber alles könnte ganz anders sein.

In diesem Jahr feierten die NATO-Truppen im Kosovo, bekannt als KFOR, ihr zwanzigjähriges Bestehen. Die Präsenz des Bündnisses reicht bis in den fernen Sommer 1999 zurück, als das Kumanov-Abkommen mit den Behörden des damaligen Jugoslawien unterzeichnet wurde. Ein grandioses Jubiläum wurde mit der Teilnahme von Bill Clinton und Madeleine Albright in Pristina gefeiert. Ein neuer US-Admiral, James Fogo, sagte, dass die KFOR „einen guten Job gemacht hat“. Und hier treten die ersten Widersprüche auf. Was kann man als erfolgreiche Mission bezeichnen, die 20 Jahre dauerte? Darüber hinaus war das Kosovo seit jeher mit zügelloser Kriminalität, interethnischer Konfrontation und in den letzten Jahren sogar mit dem internationalen islamischen Terrorismus verbunden. Auch auf Haushaltsebene ist alles gestört: 30 Prozent Arbeitslosigkeit, Abwanderung der Bevölkerung, Kommunikations-, Energie- und Verkehrsprobleme.

Vielleicht gibt es in den USA etwas andere Erfolgskriterien? Eine solche Annahme ist durchaus angebracht, da die KFOR, deren erklärtes Ziel die Gewährleistung der Stabilität im Kosovo ist, in der Praxis als Indikator für die Präsenz des Bündnisses in der Region dient. Infolgedessen kann die NATO auf dem Balkan Überlegenheit beanspruchen, und die KFOR entwickelt sich zu einem rein geopolitischen Instrument.

Eigentlich ist das nicht verborgen. Der US – Sonderbeauftragte für den Westbalkan Matthew Palmer erklärte am Vorabend seines Besuchs in Pristina im November, dass Washington bereit sei, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen und sogar Druckmechanismen für Serbien vorzubereiten, insbesondere eine Resolution zur Ermordung des Gebrüder Bitichi im Jahr 1999. Die Hauptaufgabe der Vereinigten Staaten auf dem Balkan nannte Palmer jedoch die Gegenwirkung Russlands.

Die Besorgnis Washingtons über den wachsenden Einfluss des Kremls in der Region ist nicht unbegründet. Laut dem Pentagon-Bericht ist der russische Faktor in Serbien am ausgeprägtesten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zusammenarbeit Belgrads mit Moskau nach Meinungsumfragen dem Wunsch der Bürger entspricht. Und das schließt nicht aus, dass die serbischen Behörden grundsätzlich an der militärischen Neutralität festhalten. Aus dem Bericht des US-Militärs geht hervor, dass Serbien für Washington von entscheidender Bedeutung ist, um seine Position zu stärken. Dieselbe Bombardierung wird jedoch zu einem unüberwindlichen Hindernis auf diesem Weg. Die Serben gedenken jedes Jahr der Opfer der Operation Allied Force. Sogar die Opposition tut es. So stark sind die Erinnerungen an die Bombardierung und ihre Folgen.

Darüber hinaus herrschte in Serbien im Laufe der Jahre ein starkes Verständnis dafür, dass die meisten EU-Länder sowie die NATO und die Vereinigten Staaten darauf abzielen, die territoriale Integrität des Landes zu untergraben, weil sie die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen. Pristina wird regelmäßig unterstützt, und wenn im Norden der umstrittenen Region, in der die Serben leben, Resonanzoperationen stattfinden, bemerken Europa und Washington dies lieber nicht.

Ohne all diese Fehler hätte Serbien ein mächtiger NATO-Verbündeter in der Region werden können. Das Bündnis entschied sich jedoch, das Kosovo mit all seinen Widersprüchen zu unterstützen. Dies führt natürlich zu stark negativen Emotionen in der serbischen Bevölkerung, die die Behörden des Landes von allen Entscheidungen abhalten können, die unter dem Einfluss von außen getroffen werden könnten. Und selbst die Opposition, die regelmäßig massive Proteste gegen die Regierung veranstaltet, riskiert nicht einmal die Entfremdung des Kosovo im Interesse einer Annäherung an die EU und die NATO, weil sie befürchtet, das Stigma eines Verräters zu bekommen.

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