NATO-Kriegsszenario: Präventivschlag auf Kaliningrad (Königsberg)

Um eine Rückeroberung des ehemaligen deutschen Gebietes geht es aber keineswegs, denn ein US-Beitrag aus polnischer Hand wünscht sich wohl eher, wenngleich auch träumerisch, eine Ausweitung des polnischen Gebietes.

Eine US-Militärzeitschrift veröffentlichte im Januar ein recht brisantes Kriegsspielszenario: NATO-Truppen sollen einen Angriff auf das ehemalige Deutsche Königsberg durchführen. Ein solcher Angriff, der in der NATO-Doktrin als „Präventivschlag“ bezeichnet wird, könnte demnach ein „entscheidender Schlagabtausch“ zwischen Ost und West werden.

Über dieses Kriegsszenario spekulierte das US-Militärmagazin „Overt Defense“ und veröffentlichte detaillierte Skizzen. Besonders brisant an dem Szenario, das „Overt Defense“ unter dem Titel „Kaliningrad Gambit“ skizziert: der Westen müßte einen Präventivschlag gegen die russischen Streitkräfte in und um Königsberg führen, schlussfolgerte das deutsche Nachrichtenmagazin Zuerst! auf seiner Seite.

„Die Stadt Kaliningrad (Королевец) wird von fast 500.000 Einwohnern bewohnt. Es ist die Hauptstadt des Kaliningrader Gebiets, des westlichsten und liberalsten Teils Russlands, eine Exklave ohne Verbindung zum Rest des Landes. Die dort lebenden Russen arbeiten bekanntermaßen in Polen, wo die Löhne viel höher sind als in ihrem Heimatland. Viele von ihnen kauften früher auch auf polnischen Märkten ein, da ihnen in Russland viele Produkte einfach nicht zur Verfügung stehen. Neben diesem freundschaftlichen Austausch von Arbeit, Kapital und Gütern beherbergt die Region Kaliningrad jedoch fast 50.000 russische Truppen und eine Reihe von Iskander-Kurzstreckenraketen (SRBM), die in der Lage sind, taktische Nuklearangriffe auf die in der Region stationierten NATO-Streitkräfte durchzuführen Ostdeutschland, Polen und Tschechien. Es gibt wachsende Bedenken hinsichtlich des angeblichen Vorhandenseins von Atomwaffen im Oblast Kaliningrad“, schreibt der Autor mit dem polnisch anklingenden Namen, Wojciech L, über das mögliche Szenario.

Das Kommando der polnischen Armee führte Trainingsveranstaltungen „Winter 2020“ in einem virtuellen Format durch, um die Manöver auszugleichen, die letztes Jahr aufgrund der Pandemie nicht durchgeführt wurden. https://marsvonpadua.com/2021/02/06/militar-polen-fuhrt-virtuelles-manover-winter-2020-durch/

Die in der Oblast Kaliningrad stationierten 50.000 Soldaten der russischen Streitkräfte sind in drei separate Einheiten aufgeteilt. Dies ist ein wesentliches Thema für die Verbindung der NATO mit den baltischen Staaten über die Suwalki-Lücke. Es ist jedoch auch ein Problem für die Russen selbst. Im Falle eines konventionellen Konflikts in den baltischen Staaten würden sowohl das Separate Motorgewehrregiment der 7. Garde als auch die Separate Motorgewehrbrigade der 79. Garde wahrscheinlich nach Litauen vordringen und die 336. Marineinfanterie-Brigade verlassen, um die Region zu verteidigen. Wenn nicht, wäre das 11. Armeekorps gezwungen, seine Streitkräfte entlang der Grenze zu verteilen, um das Kaliningrader Gebiet zu verteidigen, schreibt das US-Militärmagazin unter polnischer Feder.

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„Make Kaliningrad Königsberg again?“ Soll aus Kaliningrad wieder Königsberg werden? Wohl kaum! Sondern eher Królewiec,(Королевец), wie es in der US-Zeitung bereits angedeutet wurde. Also um eine Rückgabe der ehemaligen Provinz Ostpreußen dürfte es hier nicht gehen, sondern eher um eine Expansion des polnischen Terretoriums, das sich seit seiner Entstehung als Geburtsfehler nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs neben Westpreußen, Pommern, Schlesien auch den westlichen Teil von Ostpreußen an sich gerissen hat.

Dem kuriosen Szenario zufolge müsste in einer ersten Phase des Konflikts das NATO-Mitglied Polen in die Bresche springen, um einen nuklearen Schlagabtausch zu verhindern und die modernisierten russischen Atombunker in der Königsberger Region zu neutralisieren. Hierzu müssten die 45.000 aktiven Soldaten der polnischen Armee die 50.000 Mann starke Kaliningrader Garnison überwinden und die Kontrolle über die Anlagen übernehmen, bevor die russischen Verteidiger den roten Knopf drücken könnten.

Zudem müssten die NATO-Truppen auch die russischen S-400-Luftabwehrsysteme ausschalten, die in Kalingrad stationiert sind, um die Lufthoheit zu erlangen.

Ihre Reichweite deckt den größten Teil des polnischen Luftraums Polens ab und bedroht aktiv jede NATO-Luftunterstützung für die Region. Die polnische Luftwaffe arbeitet an einer Lösung gegen die A2 / AD-Systeme, aber es wird eine Weile dauern, bis sie eingeführt ist.

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Der Autor scheint an Größenwahn und Realitätsverlust zu leiden, nennt es aber selbst Optimismus.

Die Aufstellung der polnischen Streitkräfte in diesem Szenario ist optimistisch, aber möglich. Die Komponente der kombinierten mechanisierten Division würde aus den neuesten und am besten ausgestatteten Einheiten bestehen, die für einen schnellen Schlag geeignet sind. Unter solchen Bedingungen sprechen wir von einer Streitmacht von rund 30.000 Soldaten. Dennoch sind Schwächen sichtbar. Die 16. mechanisierte Brigade ist hauptsächlich mit dem postsowjetischen BMP-1 und veralteten Systemen ausgerüstet. Dann gibt es das Problem einer unzureichenden Transportflugzeugflotte, um die 6. Luftlandebrigade einzusetzen.

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Mit deutschen Panzern will man also Kaliningrad erobern und sich als polnisches Gebiet einverleiben? Dazu sollen polnische Überfallkommandos, der Hinterhalt ist eine typische polnische Eigenschaft, herangezogen werden, um hinter feindlichen Linien zu operieren.

Die stärksten und zuverlässigsten Streitkräfte wären die 1. Panzerbrigade, bestehend aus Leopard 2A5 und dem neuen Leopard 2PL, die 17. Mechanisierte Brigade, die vollständig mit Wolverine-IFVs ausgestattet ist, und die SOF-Komponente, die aus zwei Einheiten besteht, die amphibisches Einsetzen und Überfallen durchführen können (GROM und Formoza) ) mit polnischen Kommandos, die sich auf die Ablenkung hinter feindlichen Linien spezialisiert haben. Der positive Faktor ist die Tatsache, dass die 1. Panzerbrigade mehr Panzer haben würde als die geplanten 30-90 T-72B3 des 11. Panzerregiments und die verbleibenden T-72B1 in Kaliningrad.

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Zudem sollen die russischen Atomraketen von polnischen Einheiten unschädlich gemacht werden, die wie richtig erkannt, eine Bedrohung nicht nur für Polen, sondern auch für Deutschland und andere westeuropäische Staaten darstellen.

Die SRBM-Trägerraketen stellen eine unmittelbare Bedrohung für die NATO-Streitkräfte und die Nachbarstaaten dar. Angesichts des Verdachts der Anwesenheit der in Kaliningrad platzierten Atomsprengköpfe ist eine rasche Operation zur Zerstörung der russischen Startfähigkeit unerlässlich. In diesem Fall scheint das Einfügen eines polnischen SOF eine Option zu sein. „Iskander Hunter“ -Teams, ähnlich denen, die während des Golfkrieges zur Jagd auf irakische Scud-Trägerraketen eingesetzt wurden, infiltrierten Standorte und forderten Präzisionsartillerie- oder Raketenangriffe auf Iskander-Batteriestandorte, so der vermutlich polnische Militärstratege

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Ein Blitzkrieg, angeführt durch Polen, soll also den Sieg über Russland bringen. „Schnelligkeit und Überraschung“ („speed and surprise“) seien dabei „essenziell“. Ausdrücklich wird in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit eines präventiven westlichen Raketenangriffs ins Spiel gebracht, wenn der polnische Bodenangriff nicht schnell genug zum Ziel käme. Zuguterletzt müßte das Gros der russischen Einheiten in der Region „beseitigt“ werden. Vor allem müsste der wichtigste Hafen in Kalingrad erobert werden. Der polnische Größenwahn ist weltbekannt.

Die Blockade des Hafens von Baltiysk ist Gegenstand aktueller Diskussionen. Polen ist mit NSM-Raketenabwehrbatterien mit einer Angriffsreichweite von 400 km ausgestattet. Zusätzlich hat konventionelle Artillerie in Form von 155 m langen Haubitzen mit Eigenantrieb die Reichweite, um Baltiysk zu treffen. In diesem Fall könnte die baltische Flotte Russlands langfristig eingestellt werden. Unfähig, von Baltyisk aus zu segeln, das für Artilleriefeuer anfällig ist, wären sowohl die Hafeninfrastruktur als auch die Schiffe außer Betrieb. Darüber hinaus ist Estland auch ein Benutzer von NSM-Raketen, die mit ihrer Reichweite die östliche Ostsee abdecken. Dies bedeutet eine völlige Blockade der Seeversorgungswege nach Kaliningrad und zwingt die Russen zu einer groß angelegten Offensive, um zum 11. Armeekorps durchzubrechen.

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Allerdings nennt der Autor am Ende des Beitrags auch andere Optionen. Bei diesen Optionen steht Polen allerdings als Verlierer dar.

Kriegsszenarien um Kaliningrad werden immer wieder durchgespielt. Jedoch mit einer negativen Einschätzung für die NATO, Polen und schließlich die USA.

Jeder andere Plan zum Aufbau einer Verteidigungslinie entlang der Suwalki Gap zeigt, dass im Falle eines konventionellen Krieges die US-Streitkräfte schwer geschlagen würden. Letztes Jahr führte das Marine Corps War College ein Kriegsspiel durch, in dem die polnischen Streitkräfte die Suwalki Gap-Linie verteidigten. Innerhalb der ersten Stunden des Konflikts wurden die Polen geschlagen und verloren einen Großteil ihrer Streitkräfte. Die RAND-Kriegsspiele zeigten, dass US-Truppen im Falle eines globalen Konflikts den Kampf in den baltischen Staaten verlieren würden. Sogar General Ben Hodges hatte Angst vor der Leichtigkeit, dass US-Streitkräfte innerhalb von 48 Stunden in der Region überrannt wurden.

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Ein Sieg der NATO im Kampf um das Baltikum, ist wohl eher unwahrscheinlich, wie es sich der Autor am Ende auch eingestehen muss. Eine Blitzkrieg-Strategie, die den Deutschen am Anfang des Zweiten Weltkriegs zu ruhmreichen Siegen führte, dürfte wohl durch Polen und Amerikaner nicht nachgeäfft werden können.

In diesem Fall würde die NATO nicht nur als Verteidiger auftreten, sondern müsste einen Präventivschlag durchführen, um die Russen aus der territorialen Exklave zu vertreiben. Ob die Kesselsituation eintritt, muss abhängig von der Leistung der Landstreitkräfte jede Operation, um dies zu tun, schnell, gewalttätig und ohne Verlust des Überraschungselements ausgeführt werden. Die NATO-Streitkräfte in den baltischen Staaten müssten den russischen Angriff auf Kaliningrad so lange wie möglich verzögern. Im Gegensatz dazu müssten die russischen Streitkräfte in der Lage sein, schnell in die baltischen Staaten einzureisen. Laut C. Harris und F.W. Kagan deutet die Verlagerung russischer mechanisierter Einheiten entlang der lettischen und estnischen Grenze in ihrer Arbeit Russian Military Posture: Ground Forces Order of Battle auf die Bereitschaft zu einem begrenzten hybriden Konflikt hin, nicht zu einem umfassenden Krieg.

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Am Ende gibt sich der Autor, doch ernüchternd, denn bei einem solchen Präventivschlag kann Polen sich wohl nicht auf die komplette Schlagkraft der NATO verlassen. Es wäre vor allem zynisch von der deutschen Bundeswehr zu verlangen, dass man ausgerechnet dem Erbfeind Polen, der nun Bündnispartner ist, dazu verhelfen, sich noch den Rest des Deutschen Ostgebietes einzuverleiben.

Ob sich das Risiko lohnt, hängt von anderen Faktoren ab, aber jede Maßnahme, die die russischen Streitkräfte innerhalb der ersten Tage eines Konflikts schwächt, kann für die Zukunft des Krieges in Mitteleuropa von entscheidender Bedeutung sein. Nach Abschluss der oben genannten Aufgaben sollte ein langsamer und geplanter Rückzug zur Weichsellinie begonnen werden, um die Versorgungsleitungen zu verkürzen und Truppen auf dem für den Verteidiger geeigneten Gelände zu sammeln. Wir müssen uns daran erinnern, dass die weiten Ebenen Polens perfekt für gepanzerte Operationen geeignet sind. An den Hauptflüssen von Bug bis Elbe würden mit Sicherheit Fronten gezogen, resümiert der Autor.

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Letztlich fürchtet und schreckt der Autor vor einem Krieg mit Russland doch zurück, denn die zwar gut ausgerüstete polnische Armee dürfte wohl kaum in der Lage sein, Russland zu besiegen. Vor allem, wenn Russland von Belarus aus zu Gegenschlag ausholen würde und mit einer starken Artillerie auf das polnische Territorium einhämmern würde.

Ein Krieg in vollem Umfang ist heute eher ein unwahrscheinliches Szenario. Die Gerasimov-Strategie der Russischen Föderation konzentriert sich auf die Ausweitung des Einflusses des Kremls durch begrenzte Stellvertreterkriege mit Unterstützung von Armeekomponenten. Wenn man die finanzielle Situation Russlands hinzufügt, die die Möglichkeit einer längeren Konfliktbeteiligung ausschließt, kann man mit Sicherheit sagen, dass diese Bedrohung durch den globalen Atomkrieg glücklicherweise keine Frage der absehbaren Zukunft ist.

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Polens Großmachtsbestrebungen sind Folge des Geburtsfehlers, nachdem die Deutschen den Krieg durch die Schande von Versailles verloren haben. Polen trug diese Phantasiene nach dem Ende des Ersten Weltkriegs offen kriegerisch aus. Damals wollte der polnische Feldmarschall die Polnisch-Litauische Union wiederherstellen, die Rzeczpospolita, die «gemeinsame Sache», abgeleitet aus dem lateinischen Wort res publica.

Diese bestand bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und Międzymorze, zu deutsch Zwischenmeer oder Intermarum, lautete das Konzept des polnischen Marschalls Józef Piłsudski, das Polen wieder zu alter Macht führen sollte. Von der Ostsee, also dem Baltikum, bis zum Schwarzen Meer sollte ein Konföderationsstaat entstehen, der unter polnischer Vorherrschaft als Gegenprojekt zur Sowjetunion realisiert werden soll. Und tatsächlich konnte Polen zu dieser Zeit militärische und politische Erfolge erzielen.

Doch auch in Deutschland, das nach dem Ersten Weltkrieg stark geschwächt wurde, dürften die Großmachtsansprüche, die von Internationalisten angeregt wurden in tiefer Erinnerung bleiben. Zum einen, weil Deutschland seinen Osten vor allem an Polen verloren hat und eine Rückgabe Ostpreußens, also Kalingrad, schon an Polen scheitern würde.

Zum anderem sorgten die Aufstände in Oberschlesien, die ebenfalls von 1919 bis 1921 andauerten, dafür, dass Polen auch westlich von Warschau die Gebiete in Oberostschlesien von Deutschland nach drei Schlesischen Aufständen erhielt. Besonders der 3. Schlesische Aufstand dürfte den Deutschen in Erinnerung geblieben sein. Sie bekamen die polnische Herrschaft in Form von Morden, Verstümmelungen, Peinigungen und Schändungen die selbst vor einer deutschen Leiche nicht halt machten.

Die USA und Polen haben seit Deutschlands Weigerung der „Koalition der Willigen“ im Irak-Krieg ein sehr gutes Verhältnis. Die USA wollen allerdings weder für Polen noch für Deutschland oder Europa etwas Gutes. Sie wollen vor allem die Spaltung zwischen Deutschland und Russland aufrecht erhalten.

Friedmann über den Gürtel zwischen Deutschland und Russland

Von Christian Bärenfänger

Quellen: Zuerst! Overt Defence, eigene Recherchen

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