Militär: Der Scharfschütze – von der Roten Armee in die Russische Armee

Vor knapp zwei Jahren präsentierte das russische Verteidigungsministerium die Geschichte ihrer Scharfschützen vor. Im folgenden Beitrag wird diese Sicht dargestellt und mit weiteren Ergänzungen vervollständigt.

Die Geschichte, wer als erster aus einem Hinterhalt mit einem präzisen Treffer ein Ziel getroffen hat, kann wohl nicht mehr exakt bestimmt werden. Höchstwahrscheinlich geschah dies vor zehntausenden von Jahren, und die Waffe der damaligen «Scharfschützen» war eine Steinaxt oder ein Bogen. Auf der Seite des russischen Verteidigungsministerium wurde ein Überblick über die Geschichte der russischen und sowjetischen Scharfschützen vorgestellt.

Das Verteidigungsministerium der russischen Föderation veröffentlichte im Jahre 2018 folgendes Video mit dem Titel: „Spezielle taktische und Feuer-Trainingseinheiten mit Scharfschützen“

In der Region Belgorod wurden spezielle Taktik- und Feuertrainingskurse mit Scharfschützen von Aufklärungs- und motorisierten Gewehreinheiten des westlichen Militärbezirks abgehalten.

Scharfschützen von getrennten Aufklärungsgruppen, die in verdeckter Bewegung und Tarnung mit Dienst und improvisierten Mitteln geschult wurden. Besonderes Augenmerk legten die Instruktoren auf die Auswahl und Ausstattung der Positionen sowie auf den Einsatz verschiedener Beobachtungs- und Zielgeräte.

Im Rahmen von Feuertrainingskursen wurden Scharfschützen darauf trainiert, Ziele mit speziellen Techniken unter einzelnen Arbeitsbedingungen sowie als Teil eines Paares oder einer Gruppe von Paaren zu treffen.

In der letzten Phase erarbeiteten die Scharfschützen unter den Bedingungen der Schlachtzugsarbeit der Aufklärungsgruppe ein praktisches Schießen, schreibt das Ministerium, das sich ja die Frage stellt, wann der Scharfschütze entstanden ist.

Und vielleicht begann alles mit der Tochter des Zeus, Artemis, die gerne jagte und immer mit einem Köcher von Pfeilen und einem Speer, begleitet von einem Lieblingshirsch, durch die Wälder und Felder stürmte und jedes Tier mit ungewöhnlicher Präzision traf.

Die moderne Bedeutung des Begriffs «Scharfschütze» sowie diese militärische Spezialität selbst, die manchmal auch als «Sniping» bezeichnet wird, tauchte natürlich viel später auf. Heute nennt man den Scharfschützen im russischen Sprachraum auch „Snaiper“ beziehungsweise „“Voyennyy snaiper“. Man bedient sich dort gewöhnlich den Anglizismen.

Ereignisse, die als die Geburtsstunde der modernen Scharfschützen-Kunst angesehen werden können, fanden im 17. Jahrhundert statt. Dann begannen die Teilnehmer des Bürgerkriegs in England, langlaufende Jagdgewehre für militärische Zwecke einzusetzen. Einer der bekanntesten Fälle ihres Einsatzes war der Schuss des Soldaten John Dyota aus einer Entfernung von etwa 140 Metern, der dem feindlichen Befehlshaber ins Auge fiel.

Quelle: Verteidigungsministerium der Russischen Föderation

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Scharfschützenfeuer selten eingesetzt, aber wie es heißt, treffend — dann tauschten die Briten und Franzosen zielgerichtete Schüsse gegen General Colbert und Admiral Nelson aus. Beide Militärführer starben. Die eigentliche Blüte des Scharfschützengehäuses geht jedoch auf die Mitte dieses Jahrhunderts zurück. Zu dieser Zeit wechselten die führenden Länder zu Nadelwaffen, die weitaus höher als ihre Vorgänger waren.

Die beiden Weltkriege hatten einen großen Einfluss auf alle Arten von Streitkräften und militärischer Ausrüstung und nahmen auch Anpassungen an der Militärwissenschaft einschließlich der Scharfschützenkunst vor. 1915 befiehlt der deutsche Befehl, in den Zustand der Einheiten der Scharfschützen einzutreten. Zu dieser Zeit hatten alle europäischen Armeen auf Magazingewehre umgestellt, und die Deutschen hatten außerdem Zeit, die Großserie optischer Visiere anzupassen.

Zu Beginn des Jahres 1914 wurde in Russland am Mosin-Dreiliniengewehr der Offiziersschießschule in Oranienbaum das optische Hertz-System mit dem Mosin-Dreiliniengewehr getestet. Ende 1916 wurden diese im Werk Obukhov hergestellten Visiere für die Truppen als geeignet befunden.

Den Scharfschützen in unserem Land wurde nur mit der Bildung der Roten Armee besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Bei den höchsten Schießkursen „Schuss“ („vystrelil) wurde dann ein spezielles Training von Scharfschützen organisiert. Später begannen sie, bei OSOAVIAHIM und Militäreinheiten ausgebildet zu werden.

Im Jahr 1932 begann die Entwicklung des Schießsports, der Titel «Schütze von Woroschilow» wurde eingeführt.

Quelle: Verteidigungsminsiterium der Russischen Föderation

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieg, den der Bolschewist Großer Vaterländischer Krieg nennt, hatte die Rote Armee einen bedeutenden Scharfschützen-Kader. Wie im Ersten Weltkrieg wurden ehemalige Jäger in der Regel Scharfschützen im wahrsten Sinne des Wortes. Es waren die Jäger, die daran gewöhnt waren, das Tier zu verfolgen, und konnten die Position des Ziels durch die geringsten Veränderungen in der Situation bestimmen — Gras im Gras, gebrochene Äste — und es unbemerkt lassen.

In den ersten Monaten des Krieges haben russische so stark in den Angriff der Deutschen eingegriffen, dass der Befehl der Wehrmacht die nach Ende des Ersten Weltkriegs geschlossenen Scharfschützenkurse neu organisieren musste. Quantitativ gelang es den Deutschen im Laufe der Zeit, die sowjetischen Scharfschützen einzuholen, es gab jedoch «qualitative» Unterschiede.

Der größte Unterschied damals war vielleicht, dass die Deutschen eher Tugenden wie Pflicht, Loyalität, Ehre, Treue, Tapferkeit und Kameradschaft pflegten, während dem Rotarmisten die deutschen Tugenden nebst Ehrbegriff völlig bar waren und eher die Hinterlist, die Grausamkeit und Skrupellosigkeit als bolschewistische Tugend als ehrbar galt.

So gab es in der Roten Armee eine beträchtliche Anzahl weiblicher Scharfschützen, und sie kämpften nicht schlechter als ihre männlichen Kollegen. Der berühmteste von ihnen war vielleicht Lyudmila Pavlichenko, sie Foto.. Oder Rosa Schanina, die selbst aus dem Hinterhalt über 59 deutsche Soldaten getötet haben soll. Schanina selbst fiel bei einem Gefecht in Ostpreußen.

Lyudmila Pavlichenko, sowjetische Scharfschützenlegende.

Bis zum 42. Juni gelang es ihr, 309 feindliche Soldaten und Offiziere zu zerstören, darunter 36 Scharfschützen. Sie war es, die im Rahmen der sowjetischen Delegation in Chicago bei der Kundgebung eine Frage stellte, die am nächsten Tag für viele Millionen in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht worden war: „Ich bin 25 Jahre alt. An der Front hatte ich bereits dreihundertneunige faschistische Invasoren vernichtet. Denken Sie nicht, meine Herren, dass Sie sich zu lange hinter meinem Rücken versteckt haben?! »

Unter den sowjetischen Scharfschützen befanden sich über 1.000 Frauen, die während des Krieges etwa 12.000 feindliche Soldaten vernichteten.

Phänomenale Ergebnisse erzielten vor allem männliche Scharfschützen. Der berühmteste von ihnen war vielleicht Vasily Zaitsev, oder Wassili Saizew (wie man nun transkribieren will.. Nur im November / Dezember des 42. Jahres während der Schlacht von Stalingrad zerstörte Zaitsev fast zweieinhalb Hundert faschistische Offiziere und Soldaten sowie elf feindliche Scharfschützen. Auch in Stalingrad hatte Zaitsev mehrere Tage lang ein siegreiches Duell mit einem deutschen Scharfschützen, auf dessen Grundlage dann auch Hollywood seinen Blockbuster «Das Duell — Enemy at the Gates», dessen Geschichte aber weit hergeholt ist. Das lässt sich an zwei Punkten festmachen:

In der Wehrmacht gab es keine (oder kaum) Scharfschützen mit Offiziersrang, sondern waren im Rang eines Mannschaftsdienstgrades. Im Film, der nichts anderes ist als antideutsche Propaganda, spielt ein deutscher Major den Gegner von Zaitsev, der als grausamer Mensch dargestellt wird.

In keiner Quelle, keinem Wehrmachtsbericht ist ein Major König erwähnt. Außerdem schickte die deutsche Wehrmacht nie einen Scharfschützen, um Zaitsev (oder Saizew) auszuschalten. Das alles entspringt der reinen Phantasie der antideutschen Filmemacher aus Hollywood. Allerdings ist in den Memoiren des russischen Generals Wassili Tschuikow über die Verteidigung Stalingrads ein Bericht über die Duelle der sowjetischen und deutschen Scharfschützen zu finden, worin Tschuikow beschreibt, dass auf deutscher Seite der „oberste Ausbilder der Scharfschützen“, ein Major, getötet wurde. Ob das der Wahrheit entspricht oder Phantasie ist, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Scharfschützenlegende Zaizew (Zaitsev). Quelle: Flickr

Insgesamt tötete Zaitsevs Gruppe in vier Monaten 1.126 feindliche Soldaten.

Die Gesamtgeschichte kennt 17 sowjetische Scharfschützen, deren Angaben über die getöteten feindlichen Soldaten mehr als 400 Menschen umfassen solllen. Über 300 von den Nationalsozialisten getötete, auf Kosten von 25 Scharfschützen festgestellte, 36 Scharfschützen töteten mehr als 200 Soldaten auf der Seite des Feindes. Vasily Golosov tötete angeblich 422 Wehrmachtssoldaten, von denen 70 selbst Scharfschützen waren.

Bis zu einer bestimmten Zeit wurden Scharfschützen „ausgewählt“ — es waren nur wenige, und ihre Fähigkeiten und Fähigkeiten konnten nur beneidet werden. Aber die neue Zeit brachte immer neue Ideen, und sie wurden aus der UdSSR gebracht. In der Sowjetarmee wurde entschieden (und zu Recht entschieden), dass die Gewehreinheit neben den Maschinengewehrschützen auch von Scharfschützen unterstützt werden muss. Diese Annäherung an den Scharfschützenfall wurde «Infanterie-Scharfschütze» genannt. Das SVD-Gewehr wurde als Waffe für sie geschaffen.

Das Ende des 20. Jahrhunderts forderte die Schaffung einer neuen Scharfschützen-Spezialisierung: Die Zahl der Geiselnahmen nahm zu, und die Kämpfe in der Stadt haben fast niemanden mehr in Erstaunen gesetzt. Das alles führte zum sogenannten Polizeischnitt.

Vom Infanterie- oder Sabotageschießen (oft als «klassische» Arbeit des Schützen mit Hinterhalten, Tarnvorgängen usw. bezeichnet) unterscheidet es sich vor allem durch die Entfernung: Sie überschreiten in der Regel nicht 150-200 Meter. Richtig, kurze Distanzen erleichtern den Scharfschützenberuf nicht. Tatsache ist, dass die Ziele in solchen Fällen auch kleiner ausfallen: Beispielsweise muss man oft auf die Hand eines Verbrechers schießen, in dem er eine Waffe hält. Sie können sich vorstellen, welche Art von Training für eine solche Genauigkeit erforderlich ist.

Ziel dabei ist es den Gegner zu demoralisieren und Panik in einer Gruppe feindlicher Soldaten zu verbreiten. Oftmals wird einem Soldaten erst in den Fuß geschossen, damit die anderen in Panik geraten, während der getroffene Soldat vor Schmerz schreit. Weibliche Scharfschützinnen in der Roten Armee galten als besonders hinterhältig und hielten nicht viel von soldatischer Ehre.

Beispielsweise ist es sowohl für den gewöhnlichen Jäger als auch für den Scharfschützen ehrlos, sein Ziel zu töten, wenn es isst oder trinkt. Man erschießt kein Reh, wenn es am Bach trinkt. Von solchen Grundsätzen schien der Bolschewist befreit zu sein, was besonders für Frauen galt. Ihr Führer Josef Stalin hatte zudem die Genfer Konvention nicht unterschrieben, was sich beim Bolschewisten besonders bemerkbar machte.

Ein weiterer Trend in der Entwicklung von Scharfschützenwaffen war die Ablehnung des automatischen Mechanismus von Gewehren. Einerseits wurden die Möglichkeiten des Selbstladens und der Selbstbewaffnung als wichtiger Vorteil von Waffen angesehen, später jedoch wurden sie durch Ansichten, die eine «Rückkehr zu den Wurzeln» implizieren, sehr beliebt.

Das Dragunow-Scharfschützengewehr ist ein von Jewgeni Fjodorowitsch Dragunow auf der Basis des AK-47-Verschlussmechanismus entwickeltes Selbstladegewehr im Kaliber 7,62 × 54 mm R.

Ein großer Teil der selbstladenden Scharfschützengewehre ist mit einem Gasmotor automatisiert und erfordert die Auswahl einiger der Pulvergase, was die effektive Reichweite des Feuers etwas verringert. Während sich das Geschoss entlang des Laufes bewegt, hat der Gewehrbolzen auch Zeit, sich zu bewegen und das Gleichgewicht des Gewehrs zu ändern. Infolgedessen gibt es eine leichte Verschiebung des Rumpfes, was die Genauigkeit verringert.

Waffen mit einem Längsschiebetor und manuellem Nachlader weisen keine derartigen Mängel auf, allerdings zum Preis einer niedrigeren Feuerrate. Die Rate des Scharfschützen wird jedoch fast immer nicht benötigt — ein Schuss genügt oft.

Aus durchaus objektiven Gründen ist es mit absoluter Wahrscheinlichkeit unmöglich, die Entwicklung des Scharfschützen der Zukunft vorauszusehen. Basierend auf den vorhandenen Trends können Sie jetzt Ihre Annahmen aufstellen.

Zum Beispiel sollte man in Russland mit dem Auftreten einer großen Anzahl von Scharfschützen rechnen, die jetzt die älteste militärische Kunst der „Elite-Soldaten“ in speziellen Schulen erlernen, die letztes Jahr in Militärbezirken entstanden sind.

In Russland soll bald das Scharfschützengewehr Kalaschnikow SVK in 7,62 x 54 (siehe Foto) eingeführt werden, schreibt das Waffenmagazin Visier in seiner aktuellen Ausgabe. Das Magazin bereitet im Übrigen gerade eine Spezialausgabe über Scharfschützen vor. Auch die Deutsche Militärzeitschrift (DMZ) publizierte 2016 eine Sonderausgabe mit dem Thema Scharfschützen, wo das Gewehr Dragunow nebst anderen Spezialwaffen vorgestellt wurde.

Neben den Scharfschützen in Heer und Waffen-SS wird auch die Rote Armee als Vorreiter des Scharfschützenwesen genannt und bereits auf der Titelseite ist die hinterhältige Scharfschützin Rosa Schanina abgebildet.

DMZ-Sonderausgabe über Scharfschützen mit der sowjetischen Propaganda-Heldin Rosa Schanina.

Sie können sicher sein, dass die Schulungen dort mit äußerster Professionalität und Effizienz durchgeführt werden. Es kann nicht anders sein. Die Patriotische Schule der Scharfschützenkunst, wie sie war und bleibt eine der besten der Welt, schreibt das russische Verteidigungsministerium.

Wer sich ein wenig mit der deutschen Thematik befasst, der wird große Unterschiede feststellen. Ein weitreichender Vergleich dürfte den Rahmen sprengen. In Russland und in der Sowjetunion werden Scharfschützen als Kriegshelden propagiert und diese „Helden“ werden besonders dann glorifiziert, wenn es darum geht, den Sieg im sogenannten „Großen Vaterländischen Krieg“ zu feiern, den der Rotarmist niemals in dieser Form ohne die heutigen Feinde Großbritannien, den USA und anderen Verbündeten hätte erringen können.

Von Alexander Saar-Demichel

Mit Quellen aus dem Verteidigungsministerium der Russischen Föderation, ANNA News, Russian Bear, Deutsche Militärzeitschrift, Visier.

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