Nahost-Konflikt: Die Nebelkerzen im Informationskrieg

Spätestens seit Wochenbeginn ist der Nahost-Konflikt wieder in allen Medien Thema Nummer Eins. Sehr anschaulich wird in der unterschiedlichen Berichterstattung gezeigt, wie Informationskrieg auf verschiedenen Ebenen betrieben wird.

Während die israelische Luftwaffe Ziele im Gaza bombardiert, fliegen die Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Städte. Vorausgegangen sind Konflikte in Jerusalem am vergangenen Wochenende, die fast jedes Jahr um den muslimischen Fastenmonat Ramadan an Fahrt aufnehmen.

Die Debatte um den Konflikt erreicht allerdings heuer viele Menschen durch Nebelkerzen-Debatten. Prominentes Beispiel ist die Kritik an der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg, die seit gestern unter massivem Twitter-Beschuss steht, nachdem sie auf dem Kurznachrichtendienst die Twitter-Meldung einer antiisraelischen Aktivistin geteilt hat. Seitdem sind Kritiker der Klimaschutz-Bewegung dabei, die Aktivistin massiv zu kritisieren. So wurde der Twitter-Krieg auch im deutschen Sprachraum eingeläutet.

Neben Thunberg trenden wie gewöhnlich auch Hashtags wie #IsraelUnderAttack und #GazaUnderAttack. Während man der jungen Schwedin, die es immer in die Medien schafft, Einseitigkeit vorwirft, gar Antisemitismus, erreicht der Konflikt eine neue Eskalationsstufe und Medienleute suggerieren der Twiiter-Gemeinschaft sich für eine Seite zu entscheiden. Kritiker der Klimabewegung haben sich gefälligst auf die Seite Israels zu stellen und sollen nicht die Seite der Palästinenser erkunden. Eine gelungene globale Nebelkerze, die davon ablenken soll, sich mit beiden Konfliktparteien zu befassen.

Teile und Herrsche lautet das Prinzip. Der Vorwurf des Antisemitismus wird als scharfes Schwert verwendet, um jegliche Kritik an den israelischen Angriffen zu zerschneiden. Dabei wird oft vergessen, dass israelische Kriegsführung oftmals von einer massiven PR-Kampagne begleitet wird, um die öffentliche Meinung zu balancieren.

Nahezu jeder Luftangriff der israelischen Streitkräfte, soweit dieser seitens der Sicherheitskräfte publik gemacht wird, geht gewöhnlich ein Raketenangriff der Hamas voraus, deren militärischer Flügel überwiegend im Westen als „terroristische Organisation“ eingestuft wird. Das macht es Medien leicht, vor allem den Meinungsmachern, von einem „Terror-Krieg“ zu sprechen und jegliche Angriffe der israelischen Streitkräfte zu relativieren.

Informationskrieg ist Teil einer Kriegsführung, die in den letzten zehn Jahren vor allem im Online-Bereich stattfindet. Geht es um den Donbass-Krieg, sprechen Leitmedien gerne von „Desinformation pro-russischer Trollfabriken“, um beispielsweise von den Kriegsverbrechen seitens der Ukraine abzulenken.

Dabei haben israelische Militärs seit Jahren schon die sozialen Netzwerke auf dem Schirm, um kritische Beiträge zu torpedieren, ein Teil der Hasbara. Der Begriff Hasbara beschreibt ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung Israels, um international eine positive Berichterstattung über Israel und seine politischen Anliegen zu fördern, so die gängige Beschreibung auf dem Online-Lexikon Wikipedia, wenn man diesen Begriff auf einer Suchmaschine eingibt.

Westliche Medien sind in der Tendenz eher pro-israelisch ausgerichtet und ihre Berichterstattung spiegelt das immer wieder. Arabische und iranische Quellen, so auch Nachrichtenagenturen, sind tendenziell auf der Seite von Palästina und haben den Nahost-Konflikt täglich auf der Agenda, also nicht nur dann, wenn sich der beiderseitige Beschuss intensiviert, wie es aktuell der Fall ist.

Neben der täglichen Berichterstattung sind Aussagen von Prominenten wie es Thunberg ist, immer Aufhänger einer endlosen Debatte um den Nahost-Konflikt. Nicht nur Thunberg, sondern auch der Musiker Roger Waters ist oftmals im Fokus der Negativ-Berichterstattung, wenn er mal wieder seine pro-palästinensischen Standpunkt zum Ausdruck bringt. Für die Skandalberichterstattung fühlt sich das Springer-Blatt Bild stets berufen, das bekanntermaßen einen pro-israelischen Standpunkt vertritt.

Schlagzeilen des meistgelesenen Boulevard-Blattes sind immer ein gern genommener Aufhänger, um seine Meinung in sozialen Medien wie Twitter kundzutun. Politiker, Musiker, Meinungsmacher, Künstler sehen sich oftmals dazu berufen, Stellung zu beziehen und schon ist der Nahost-Konflikt auf den Mobilfunkgeräten, PCs und Laptops in aller Munde.

Und der Konflikt ist immer meistens dann beendet, wenn die Berichterstattung in den Leitmedien vorüber ist. Dann sind wieder Corona-Skandale, Aussetzer von Prominenten während der Pandemie wieder Hauptthema und das Problem im Nahen Osten ist wieder für einige Wochen oder Monate aufgeschoben.

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