Ukraine rekrutiert freiwillige Kämpfer aus dem Ausland

Seit Wochen mobilisiert die Ukrainische Regierung ihre Bürger zum Widerstand gegen die russische Militäroperation, die seit Mittwoch im vollen Gange ist und sich vor den Toren Kiews befindet. Auch Freiwillige aus dem Ausland werden dazu aufgerufen, sich in den Kampf gegen das hochgerüstete Militär zu begeben.

Am Freitag tauchten Videos auf Militärkanälen auf, die zeigen, wie an Kiewer Bürger Waffen ausgeteilt wurden. In den Wochen zuvor gab es schon zahlreiche Medienberichte über die Mobilmachung ukrainischer Bürger, die sich mit Holzgewehren auf die „russische Invasion“ vorbereitet haben.

Der Bürgermeister von Kiew rief noch vergangene Woche auf der Münchner Sicherheitskonferenz Deutschland auf, Waffen an die Ukraine zu liefern, weil eine „russische Invasion“ bevorsteht. Bis dahin blieb Deutschland dabei, keine Waffen an Kiew zu liefern. Das änderte sich gestern, nachdem die – zugegeben überraschende – russische Militäroperation (der Westen spricht von Krieg und Invasion), vom russischen Präsidenten,Wladimir Putin, in einer Fernsehansprache angekündigt wurde.

Seit gestern ist bekannt, dass Deutschland auch Waffen liefern wird beziehungsweise der Lieferung von Waffen aus dem Ausland zustimmen werde. Die Rede ist von Panzerfäusten, Stinger-Raketen und Haubitzen aus ehemaligen DDR-Beständen. Seit Wochen wird auch verstärkt international aufgerufen, sich als Freiwilliger für den Kampf Kiews gegen die „russische Invasion“ bereit zu erklären.

So wurde beispielsweise ein Aufruf auf dem Telegramkanal White Powder gestartet, sich nach Lemberg zu begeben, wo sich auf der Knyaza Romana 24 ein Sammelpunkt befinde. Auch auf anderen pro-ukrainischen Kanälen wird dazu aufgerufen, sich den Kampf gegen den „Bolschewismus“ zu stellen und „Opa und Oma zu rächen“. In einschlägigen Chatgruppen werden Mitfahrgelegenheiten angeboten, die dann in privaten (geheimen grünen) Chats vereinbart werden.

Bereits in den Wochen vor dem Krieg haben pro-ukrainische Aktivisten dazu aufgerufen, sich in den Ukraine zu begeben, um die dortigen Freiwilligenbataillone wie Azow im Kampf gegen die Russen zu unterstützen. Solche Rekrutierungen aus vornehmlich rechtsextremen Lagern gibt es schon seit dem Ukraine-Konflikt. Ein Bericht des Wochenmagazins „Der Spiegel“ ging im November 2017 davon aus, dass sich beispielsweise 2500 Extremisten aus Deutschland unter anderem dem Azov-Regiment angeschlossen haben, das 2014 gegründet wurde und inzwischen als Teil der ukrainischen Nationalgarde gegen die pro-russischen Milizen im Donbass kämpft.

Rekrutiert wird unter anderem auf Rechtsrockkonzerten oder auf Veranstaltungen von Parteien und Nationalistischen Vereinigungen, wo man militäraffine Teilnehmer rekrutiert. Das wird teilweise auch in öffentlichen Dokus und linken Publikationen angesprochen. Parteien wie der III. Weg oder die Identitäre Bewegung waren beispielsweise Gegenstand einer solchen Berichterstattung.

Allerdings besteht keine Einigkeit im rechten oder NS-affinen Lager, was die Ukraine-Frage betrifft. Viele lehnen dort den Ukraine-Nationalismus ab, weil dieser US-gesteuert ist. Viele sehen daher in Azow oder anderen nationalistischen Bewegungen in der Ukraine eine PsyOp des US-Auslandsgeheimdienstes CIA oder lehnen es ab, weil in Kiew bekanntermaßen mit Wolodymir Selenskij ein Jude an der Macht ist, der von der von dem jüdischen Oligarchen Ihor Kolomoisky finanziell und medial unterstützt wurde und zahlreiche nationalistische Bataillone und Regimenter unterstützt.

Andere lehnen die NATO, die westlichen Werte ab und unterstützen Kiew schon alleine deswegen nicht und lehnen schon deshalb den ukrainischen Chauvinismus ab. Ukrainische Nationalisten haben im Zweiten Weltkrieg auch gegen die Deutschen gekämpft.

Diejenigen, die für Kiew in den Krieg ziehen, sehen in Russland und Putin den „bolschewistischen Feind“, der die Sowjetunion wiederherstellen will. Die andere Seite der deutschen Rechten erkennen in Putins Russland eher den weißen russischen Imperialismus wieder und haben – wie auch antiimperialistische Linke – eher Sympathien mit den umstrittenen Donbass-Republiken und erkennen die Krim als russisch an, weil sie das schon immer gewesen ist. Dieses Narrativ wird auch gerne in den Leitmedien aufgegriffen. Das russische Narrativ von den Faschisten in Kiew und von der Entnazifzierung ist somit nicht weit hergeholt.

Wie bereits erwähnt läuft diese Rekrutierung nicht nur in Deutschland ab, sondern in ganz Europa. Doch nicht nur nach Personal wird gefragt, sondern auch nach Spenden zur Finanzierung der Kräfte vor Ort. Eine ähnliche Mobilmachung für Freiwillige fand auch 2014 für den Donbass statt, wo ebenfalls zahlreiche Kämpfer aus Europa – vor allem aus Russland – gegen den US-Imperialismus kämpften. Hier handelte es sich auch nicht nur um kommunistische Romantiker, sondern auch um Kämpfer, die für ein starkes und weißes Russland stehen.

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