Dramatischer Anstieg russophober Attacken in Deutschland seit Beginn der Spezialoperation in der Ukraine

Mehrere deutsche Medien haben über feindselige Stimmungen gegenüber in Deutschland lebenden Russen oder Deutschen mit russischen Wurzeln berichtet.

Die Russen in Deutschland sind inzwischen die neuen „Ungeimpften“, so könnte man meinen. Seit Russlands Spezialeinsatz in der Ukraine, der medial von einer antirussischen Kampange eskortiert wird, nimmt die Zahl an russophoben Übergriffen in Deutschland dramatisch zu.

Der Großteil der Medien-, Wirtschafts- und Politikwelt hat sich eindeutig pro-ukrainisch positioniert. Inzwischen tauchen aber nicht nur in den wenigen pro-russischen Medien Berichte über antirussische Übergriffe auf, sondern auch in den etablierten Medien.

Das SWR-Magazin Report Mainz hat Anfang März die Innenministerien der Länder und mehrere Polizeipräsidien in Deutschland um entsprechende Hinweise gebeten. Die Behörden sagten, sie erwarteten aufgrund der jüngsten Ereignisse mehr „Vorfälle von Sachschäden, Vandalismus, verbaler Provokation und körperlichen Auseinandersetzungen“.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium sprach von einer „emotional aufgeheizten Lage“. In den ersten eineinhalb Wochen seit Beginn der Ereignisse in der Ukraine registrierte das Bundeskriminalamt laut „Spiegel“ „318 ‚strafrechtlich relevante Vorfälle‘, die von Sachbeschädigungen über Beleidigungen bis hin zu Drohungen im Internet und auf der Straße reichten “. Seit dem 24. Februar wurden der Berliner Polizei 86 Vorfälle gemeldet.

Die SWR Nachrichten-App listete Beispiele für weitere Vorfälle auf:

„Eine Bäckerei hat ihren russischen Zupfkuchen umbenannt, ein Restaurant hat Personen mit russischen Pässen den Zutritt verwehrt … In den sozialen Medien werden Russen für den Krieg verantwortlich gemacht. Jetzt gibt es Aufrufe zum Boykott russischer Geschäfte.“

Tatsächlich leiden russische Geschäfte zunehmend unter Boykottaufrufen. Russische Restaurants haben einen deutlich spürbaren Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent zu verzeichnen. Es habe auch Drohungen gegeben, sagte Managerin Katharina Winter. „Ein Mann hat mehrmals angerufen und angekündigt, dass er mit seiner Pumpgun vorbeikommen wird.“

Nach Angaben der russischen Botschaft vom 5. März ist davon auszugehen, dass die Gesamtzahl der Vorfälle deutlich höher liegt. Alle diese aufzuzählen, dürfte auch den Rahmen eines gewöhnlichen Beitrages sprengen.

Bereits vor zwei Wochen tauchte ein Video auf, auf dem zu sehen ist, wie sämtliche Scheiben von Bussen eingeschlagen wurde. Der Grund: der Inhaber des Busunternehmens stammte aus Russland.

Eine Postfiliale in Koblenz wollte keine russischen Kunden mehr bedienen. In einem Klinikum in München wollte man keine russischen Patienten mehr behandeln.

Außenministerin Annalena Baerbock, ein pro-ukrainisches Grünen-Mitglied, twitterte unterdessen eine lächerliche Botschaft deutscher „geschlechtersensibler“ Unterstützung für Russen.

Die Deutsche Welle zitierte CDU-Generalsekretär Mario Czaja, der sich gegen „eine starke und zunehmende antirussische Feindseligkeit im eigenen Land“ aussprach. Seine Partei steht auch auf der Seite der russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland. „Die Angriffe auf sie, Mobbing gegen sie ist nicht in Ordnung. Dagegen müssen wir gemeinsam vorgehen“, sagte Czaja.

Laut der deutschen Wochenzeitung Stern schätzen Migrationsexperten die Zahl der russischsprachigen Einwanderer auf rund 2,2 Millionen.

Neben der offenen Diskriminierung einfacher Bürger mit russischem Hintergrund, werden auch Prominente aus Politik, Kunst, Sport und Kultur dazu genötigt, Position gegen Putin zu beziehen. Tun sie das nicht, so droht ihnen das gesellschaftliche Abseits.

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