Russlands Militäroperation füllt Auftragsbücher der US-Rüstungsindustrie

Viele europäische Länder fühlen sich zunehmend verunsichert von Russlands Militäroperation in der Ukraine und haben sich mit einer Eimerliste von Waffen, darunter Drohnen, Raketen und Raketenabwehr, an die Vereinigten Staaten gewandt.

Einem Reuters-Bericht zufolge treiben die Entwicklungen in Osteuropa, wo Moskau vor mehr als drei Wochen eine massive Militäroperation startete, die Nachfrage nach US-Waffen neu an.

Deutschland, das kurz vor dem Abschluss des Mega-Deals über 35 F-35 Stealth-Kampfflugzeuge der Lockheed Martin Corp steht, hat Interesse geweckt, den Auftrag für Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen zu erteilen.

Geplant ist die Anschaffung von bis zu 35 Stück des US-Kampfjets. Frühere Pläne des Verteidigungsministeriums sahen vor, die amerikanische F-18 zu kaufen, die aber für den Transport der in Deutschland lagernden Atombomben erst hätte zertifiziert werden müssen. Die F-35 ist hingegen bereits für Atomwaffen zertifiziert sowie für den elektronischen Kampf ausgerüstet, schreibt das Deutsche Nachrichtenmagazin Zuerst! auf seiner Weltnetzseite.

Auf die heimische Rüstungsindustrie will man anscheinend nicht mehr setzen. Pläne über die mit Frankreich betriebenen Pläne für den Bau eines europäischen „Kampfflugzeugs der Zukunft“ (FCAS/ Future Combat Air System) zu konterkarieren, spielen in Berlin plötzlich keine Rolle mehr, heißt es weiter.

Hunderte Milliarden in die eigene Armee zu investieren, heißt also übersetzt, dass man mehr Geld in die Vereinigten Staaten transferieren wird. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern kann sich Washington auf lukrative Aufträge freuen.

Auch Polen will dringend ausgefeilte Reaper-Drohnensysteme aus den USA beziehen, wie ein polnischer Regierungsbeamter Anfang dieser Woche sagte.

Es gebe auch Anfragen aus anderen Ländern Osteuropas, insbesondere nach Stinger-Flugabwehrraketen und Javelin-Panzerabwehrraketen, die von der Ukraine gegen russische Streitkräfte eingesetzt werden, heißt es in dem Bericht.

Um die Genehmigung der US-Regierung für den Verkauf und Transfer von Waffen, die von amerikanischen Militärlieferanten hergestellt werden, zu beschleunigen, hat das Pentagon Berichten zufolge ein Team wieder eingesetzt, um den Anstieg der Nachfrage zu bewältigen.

Mara Karlin, eine stellvertretende Verteidigungsministerin des Pentagon, wurde mit der Aussage zitiert, dass die europäischen Länder ihre Verteidigungsausgaben „verdoppeln“ würden, was er als „russische Aggression, die die territoriale Integrität Europas bedroht“ bezeichnete.

Da der Verkauf von Waffen durch US-Militärunternehmen der Genehmigung durch die Regierung bedarf, hat die Defense Security Cooperation Administration des Pentagon wöchentliche Treffen abgehalten, um bestimmte Anfragen zu prüfen.

Ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums sagte gegenüber Reuters, dass das Ministerium Optionen erkunde, um die Bedürfnisse der Ukraine zu unterstützen – „die US-Lagerbestände schnell aufzufüllen und die erschöpften Bestände von Verbündeten und Partnern aufzufüllen“.

Pentagon arbeite mit Auftragnehmern an Möglichkeiten, „Einschränkungen in der Lieferkette zu mildern und Produktionszeitpläne zu beschleunigen“, teilte er mit.

Berichten zufolge hat das Potenzial für einen Anstieg der Verkäufe aller Arten von Waffen seit Beginn des Konflikts am 24. Februar die Aktien von Lockheed um 8,3 Prozent und die Aktien von Raytheon um 3,9 Prozent steigen lassen.

Experten warnen, dass jede signifikante Verlagerung hin zu den Vereinigten Staaten als Lieferant wahrscheinlich eine Gegenreaktion von Europas fragmentierter Verteidigungsindustrie auslösen wird.

Deutschland prüft auch in den USA hergestellte Raketenabwehrsysteme wie Terminal High Altitude Air Defense (THAAD), obwohl dies kein Vorreiter für den Kauf ist.

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